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Jim war viel zu spät dran. Würde er noch einmal zu spät zu seiner Arbeit kommen, könnte er seinen Job vergessen. Das hatte ihm sein Chef gestern erst gesagt, nachdem Jim erst 25 Minuten zu spät zu seiner Arbeit auf der Post erschien. Er hetzte durch die noch dämmerigen Straßen. Es waren noch drei Blocks und er hatte nur noch weniger als zehn Minuten Zeit. Jim war recht sportlich. Er war 1.80m groß, hatte kurze schwarze Haare und war recht dünn. Außerdem war er ein guter Basketballspieler. Seine Kondition half ihm jetzt dabei, einen Block nach dem anderen hinter sich zu lassen. Und dann sah er es: Das Postzentrum. Nocheinmal beschleunigte Jim. Er hatte noch ca. zwei Minuten Zeit. Zumindest für diesen Tag war sein Job gerettet. Jim rannte auf die Straße. Erleichtert atmete auf. Er hörte sein Herz pochen. Doch plötzlich konnte er es nicht mehr hören. Erschrocken riss Jim die Augen auf. Doch es lag nicht an seinem Herz, das nicht mehr schlug, es lag an einem lauten, alles überschattenden Quietschen. In dem Moment, als Jim begriff, dass mit seinem Herz noch alles in Ordnung war erfasste ihn auch schon ein gewaltiger Schmerz an seiner linken Hüfte. Etwas riss ihn von den Beinen. Mit seinem linken Arm konnte er sich gerade noch auf einer Windschutzscheibe abfangen, diese gab jedoch sofort nach. Jim wurde auf das Dach des Autos geschleudert. Als er auf diesem endlich zum liegen gekommen war, wurde alles weiß um ihn herum. Er hörte entfernt eine Frauenstimme. Sie fluchte und sprach Jim mehrmals an. Doch er konnte nicht antworten. Er hatte keine Kraft, er wollte nur noch schlafen...
Jim spürte einen Stich in seinem Arm. Erschrocken riss er die Augen auf und sah in das Gesicht einer jungen Frau, etwa Mitte 20. Sie hatte kurze blonde Haare und außerdem die Kleidung einer Krankenschwester an. Jim verstand im ersten Moment nicht, wo er sich befand. Die Krankenschwester schien ähnlich erstaunt zu sein. Sie hatte wahrscheinlich nicht erwartet, dass Jim in diesem Moment die Augen öffnete. Jim versuchte zu sprechen, doch es kamen nur kaum verständliche Worte heraus. Die Krankenschwester allerdings schien sich wieder gefangen zu haben und grinste nun leicht. "Bleiben sie ganz ruhig, Mr.Falk. Es ist alles in Ordnung. Ich gebe Ihnen nur eine Spritze.", sagte die Frau mit ruhiger Stimme. "Wo...was...", stotterte Jim. Er war selbst erstaunt, dass er keinen klaren Satz hervorbringen konnte. Die Krankenschwester lachte. "Sie sind im Hammington Hospital. Sie hatten einen Autounfall und wurden deswegen hier her gebracht." Langsam fing Jim an sich zu erinnern. Seine Gedanken wurden klarer. "Wielange war...war ich weg?", brachte er hervor. "Etwa einen Tag. Sie hatten ein paar komplizierte Brüche, die erst in einer OP gerichtet werden mussten. Dr.Thomson hielt es deswegen für besser, sie noch eine Weile schlafen zu lassen." Jim sah die Krankenschwester einen Moment lang an, dann schloss er die Augen wieder. Er war immer noch müde.
Kurze Zeit später besuchte auch Dr.Thomson, der Chefarzt, den jungen Mann. Er erklärte Jim, dass dieser noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müsse. Jims größte Angst war sofort sein Job. Diese Angst war auch auf keinen Fall unbegründet. Am Abend rief sein Chef an:"Guten Abend, Jim. Wie geht es ihnen?" "Es geht. Ging mir schonmal besser", antwortete Jim. "Ja, glaub ich ihnen. Es tut mir leid, aber ich muss Sie entlassen. Ich weiß, Sie können nichts für diesen Unfall, aber das war ja nicht das erste Mal, dass Sie zu spät kamen. Tut mir leid und gute Besserung!", fügte Jims Chef nervös hinzu. Man konnte am Klang seiner Stimme erkennen, dass es ihm sehr unangenehm war, Jim direkt zu sagen, dass dieser gefeuert wurde. "WAS?!", antwortete Jim empört. "Sie finden bestimmt etwas neues, tut mir leid. Auf wiedersehen!", der Chef legte hastig auf. "Moment, Sie kö...", Jim stockte, denn er hörte, dass sein Chef bereits aufgelegt hatte. Er schlug den Hörer auf das Telefon. "Arschloch!", rief er in den großen Raum. Erst jetzt fragte Jim sich, warum er alleine auf dem Zimmer lag. Es hätten noch ohne Probleme zwei weitere Betten in das Zimmer gepasst. Jims Bett stand in der Mitte des Raumes. Links von ihm befand sich ein Stück entfernt ein kleines Fenster, durch das er den Mond sehen konnte. Auf der rechten Seite befand sich die Tür. Direkt daneben stand ein großer Holzschrank. Ansonsten befand sich nur noch ein kleiner, an einer Stange hängender Fernseher und ein rollbarer Tisch in diesem Zimmer. Jim blickte sich um. "Egal", dachte er "Übermorgen bin ich sowieso wieder hier raus. Hoffe ich zumindest."
In dieser Nacht schlief Jim sehr schlecht. Er hatte einen Alptraum nach dem anderen. Gegen 2Uhr wurde er wach. Er atmete ein paar Mal durch, dann beschloss er noch einmal auf die Toilette zu gehen. Ein klarer Nachteil an seinem Zimmer war, dass es darin keine Toilette gab. So musste er zuerst aus seinem Zimmer heraus und den langen, nur noch schwach beleuchteten Gang ein paar Meter herunter gehen. Jim verließ sein Zimmer und stolperte über den Gang. Er war immer noch etwas schwach auf den Beinen. Nachdem er auf der Toilette fertig war und erneut den menschenleeren, langen Gang durchlief, hörte er jemanden schreien. Es war kein Schrei der Angst, eher ein Ausruf des Trotzes. Jim sah sich auf dem Gang um. Er sah weder eine Krankenschwester, noch einen Arzt. "Irgendjemand muss doch Dienst haben", dachte er sich. Doch das Schreien verstummte und so beschloss Jim, sich auch wieder hinzulegen. Es war wohl nichts schlimmes...
Die freundliche Krankenschwester mit den blonden Haaren brachte ihm an diesem Morgen auch das Frühstück. "Wissen Sie eigentlich", fing Jim an, nachdem die Schwester das Essen vor ihm auf den Tisch gestellt hatte "wer in Zimmer 221 liegt? Ich hab da heute Morgen jemanden schreien gehört." Die Krankenschwester überlegte kurz, dann sagte sie:"Achso, ja. Das ist Mrs Nims, die ist etwas senil. Sie hat letzte Nacht wahrscheinlich wieder mit ihrer Tochter geredet, die ihr wieder irgendwelche Pillen geben wollte. Das erleben wir öfters." Jim schaute sie ungläubig an. "Ihre Tochter?", fragte er. "Ja. Das Mädchen wohnt zwar in Boston und war schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr bei der Mutter, aber das macht ja nichts.", antwortete die Krankenschwester lachend. Sie ging nun wieder zu der noch offen stehenden Tür. "Ähm", rief Jim hier hinterher. Sie blieb stehen und drehte sich wieder zu ihrem Patienten. "Ja? Brauchen sie nochwas?", fragte sie freundlich. "Nein, ich hab nur noch eine Frage.", sagte Jim "hatte letzte Nacht niemand von Ihnen Dienst? Ich hab zumindest niemanden gesehen." Die Krankenschwester blickte Jim mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Erstaunen an. "Katherine hatte Dienst. Sie verlässt normalerweise nicht mal ihre Station wenn sie aufs Klo muss.", die Krankenschwester redete leise, sodass Jim sie nicht richtig verstand. Dann grinste sie wieder. "Sie hatte bestimmt gerade was zutun. Und der Arzt war bestimmt gerade wieder am Telefon in der Lobby um mit dieser kleinen Schla...na ist auch egal, auf jeden Fall hatten Dr. Berg und Schwester Baine Dienst. Eigentlich ganz zuverlässige Leute, zumindest die Schwester." Jim war ein wenig erleichtert, dass es doch jemanden gab, der auch nachts aufpasste, dass diese Patientin von Zimmer 221 keine Dummheiten machte. "Dann bis später. Klingeln sie einfach, wenn sie was brauchen", sagte die Schwester freundlich. Jim nickte und die Frau verschwand durch die Tür und schloss diese hinter sich.
Jim hielt nicht mehr viel im Bett. Dr.Thomson hatte ihm zwar gesagt, dass er im Bett bleiben sollte, doch Jim durchstreifte lieber die endlos wirkenden Gänge des Krankenhauses. "Wie man sich hier zurecht finden kann", überlegte er "die Gänge sehen doch alle gleich aus." Er grinste leicht. "Bestimmt hängen hier irgendwo Lagepläne. Eine dicke, etwas ältere Frau mit roten Haaren stürmte an ihm vorbei. Er erkannte sie als Schwester Kalman, die Frau, die ihm das Abendbrot gebracht hatte. Er mochte sie nicht. Sie sprach nur das nötigste und warf Jim Blicke zu, als wäre er schuld an all ihren Problemen. Jetzt schien sie allerdings sehr gestresst zu sein. Jim schaute der Frau einen Moment nach, dann ging er weiter in einen der vielen Gänge. Als er etwas später an dem Pausenraum der Schwestern vorbei ging sah er die blonde Schwester in einer Ecke stehen. Es war das erste Mal, dass sie nicht grinste. Im Gegenteil, sie schien sehr nervös zu sein. Ab und zu zog sie an ihrer Zigarette. Schwester Kalman saß auf einem Stuhl neben ihr und schien ihr etwas zu erzählen. Da Jim sowieso ein Auge auf die blonde Krankenschwester geworfen hatte (auch wenn er ihren Namen nicht kannte), beschloss er, sich einmal zu erkundigen, was los war. "Alles ok?", fragte er und schritt in den Pausenraum. Die blonde Krankenschwester zuckte erschrocken zusammen, Schwester Kalman drehte sich genervt zu ihm um. "Ja, alles klar. Wir suchen nur eine Freundin, Schwester Baine. Irgendwie weiß keiner wo sie ist.", antwortete die junge Frau gewohnt fröhlich. Doch diesmal wirkte es aufgesetzt. Sie versuchte nur, ihre Nervosität zu überspielen. Schwester Kalman fuhr fort:"Sie hätte schon vor 45 Minuten zum Dienst kommen sollen. Das sieht ihr gar nicht ähnlich, normalerweise ist sie immer als Erste da." Jim überlegte wie er die blonde Krankenschwester trösten könnte. "Sie kommt bestimmt gleich.", sagte er. Augenblicklich hätte er sich für diesen Satz ohrfeigen können. Dass sie gleich kommen würde konnte sich wahrscheinlich jeder denken. Oder sie würde zumindest bescheid sagen, dass es ein Problem gab und sie deswegen an diesem Tag nicht arbeiten konnte. Die junge Schwester grinste leicht. "ich bin übrigens Schwester Fox." Jim schaute sie erstaunt an. Damit hatte er in diesem Moment nicht gerechnet. Es hatte ihn verrückt gemacht, dass er den Namen dieser Frau nicht wusste. Sie hatte sich ihm auch als einzige nicht vorgestellt. Bis jetzt. "Und Sie haben bestimmt recht, ich übertreib wahrscheinlich nur wieder.", fügte Schwester Fox hinzu. Sie schien wirklich gelöster zu sein. Jim freute sich, dass er ihr helfen und etwas aufmuntern konnte. Er beschloss, nun weiter die Gänge zu erkunden.
Auch in dieser Nacht schlief Jim sehr schlecht. Er hatte ständig das Gefühl, jemand wär in seinem Zimmer. Doch jedes Mal, wenn er das Licht anschaltete und sich umsah war dort nichts ungewöhnliches zu sehen. Jim beschloss, das Licht angeschaltet zu lassen. Doch diese Idee verwarf er schnell wieder, denn das Licht der Lampe warf unheimliche Schatten an die Wand. Eigentlich war Jim nicht derartig ängstlich, doch seit diesem Unfall hatte es sich geändert. Er wusste selbst nicht genau, woran das lag. Dann hörte er sie: Mrs Nims. Sie schrie wieder. Doch diesmal war etwas anders. Es war nicht dieses trotzige schreien, wie in der Nacht davor. Diesmal war es voller Angst. Jim lag einen Moment in seinem Bett und wartete, dass es verstummte oder er jemanden hören würde, der sich darum kümmerte. Doch weder das eine, noch das andere passierte. Mrs Nims schrie weiter. Jim beschloss nun, selbst einmal nach der alten Dame zu sehen. Er erhob sich aus dem Bett und schritt auf die Tür zu. Als er die Türklinke umklammerte, bemerkte Jim, dass er nicht der einzige war, der sich von Mrs Nims gestört fühlte. Nebenan öffnete sich ebenfalls eine Tür und ein alter Mann rief über den Gang. "Schwester! Ich kann bei diesem Lärm nicht schlafen! Schwester!" Jim öffnete nun ebenfalls seine Zimmertür und ging auf den Gang. Er sah sich um. Es war das gleiche Bild wie in der Nacht zuvor. Kein Arzt war zu sehen. Auch eine Schwester konnte Jim nicht finden. "Ach verdammt. He, Sie! Junger Mann. Schauen Sie doch mal nach, was diese Frau hat. Das hört sich ja schlimm an.", sagte der alte Mann aus dem Nachbarzimmer Jim zugewandt. Der Mann hatte fast eine Glatze. Die letzten verbliebenden Haaren, sowie der Schnauzbart waren grau. Er blickte wütend zu Zimmer 221 herüber. Jim wollte die Dame nur ungern stören, was auch immer sie tat. Aber so wie es aussah würde die Frau die ganze Nacht weiter schreien, wenn niemand etwas tat. Und der alte Mann wirkte nicht so, als hätte er vor, selbst nachzuschauen, was mit Mrs Nims los war. Jim ging über den Gang. Nach ein paar Schritten stand der junge Mann vor der Tür des Zimmers 221. Er atmete tief durch, dann hob er seine rechte Hand und schlug zweimal fest gegen die Tür. Keine Antwort. Nur das Schreien war weiterhin zu hören. "Los, nochmal!", rief der alte Mann aus seinem Zimmer herüber. "Ja", sagte Jim genervt. Er klopfte noch einmal an. Ein paar Sekunden lang passierte nichts, doch dann verstummte das Schreien. Erstaunt blickte Jim auf die Tür. "Gut gemacht", sagte der alte Mann und schloss seine Tür. Jim war zwar immer noch erstaunt, doch er beschloss, der Sache in dieser Nacht nicht weiter nachzugehen und wieder zu schlafen. Er drehte sich um und ging zurück in sein Zimmer.
Mrs Nims hatte hatte das Klopfen gehört. Sowohl das erste, als auch das zweite. Doch sie wollte nicht aufhören zu schreien. Nicht bevor diese Frau nicht verschwunden war. Diese leichenblasse, dunkelhaarige Frau mit den leichenblassen Lippen und den eiskalten Augen. Mrs Nims wusste nicht, was diese Frau von ihr wollte, doch sie hatte Angst. Todesangst. Diese Frau starrte sie mit einem Hass an, den Mrs Nims sehr lange nicht mehr gesehen hatte. Sie hoffte, dass die Menschen, die an ihre Tür klopften, in ihr Zimmer kommen und ihr helfen würden. Doch dann merkte sie, dass ihr Schrei verstummte. Sie wusste nicht, woran es lag, doch sie bekam keine Luft mehr. Die Frau starrte sie nur weiter an. Mrs Nims' Blick wurde unscharf. Alles um sie herum drehte sich. Die alte Frau versuchte zu atmen, versuchte zu schreien, doch es half nichts. Mit ihrer letzten Kraft wollte sie den Notrufknopf drücken, doch sie konnte ihn nicht mehr erreichen, bevor ihr Blick sich ganz auflöste und sie keine Kraft mehr hatte, ihren Arm zu bewegen. Mrs Nims' Gedanken verloren sich in diesem Moment in alle Richtungen und so starb die 92 jährige Frau in dieser Nacht.
Jim schlief sofort ein, nachdem er sich wieder hingelegt hatte. Geweckt wurde er wie jeden Morgen durch das Frühstück, das ihm heute Schwester Kalman brachte. "Sie halten nicht viel von Nachtschichten, was?", gab Jim ihr als Begrüßung entgegen. "Was meinen Sie?", fragte die Schwester genervt. "Letzte Nacht war wieder kein Arzt auf der Station. Und eine Schwester hab ich auch nicht gesehen.", antwortete Jim. "Spinnen Sie nicht rum, ich hatte Dienst", sagte Schwester Kalman. "Und warum haben Sie Mrs Nims dann nicht geholfen? Die alte Dame hat wieder geschrien." Schwester Kalman schaute Jim mit großen Augen an. "Wann war das?", fragte sie. "So gegen halb drei glaub ich, warum? Ich dachte, das wär nichts besonderes, wenn die rumschreit?", sagte er nun leicht verwundert. "Mrs Nims ist heute Nacht gestorben. Herzinfakt. Soweit ich weiß wurde der Todeszeitpunkt auf 2-3Uhr festgelegt." Jim schluckte. War die alte Dame nur verstummt, weil sie starb? Hätte er ihr helfen können, wenn er in das Zimmer gegangen wäre? "Wir hatten Probleme mit Mr. Driecks aus Zimmer 250. Deswegen waren wir fast die gesamte Nacht nicht auf der Station, sondern bei ihm.", sagte die Schwester leise. Sie schien nun ebenfalls betroffen zu sein. Es war das erste Mal, dass Jim sie nicht genervt sah.
Den ganzen weiteren Tag dachte Jim über die vergangene Nacht nach. Wär er nicht so faul gewesen und hätte zumindest einmal in das Zimmer gesehen wäre sie jetzt bestimmt noch am Leben. Zusätzlich wurde Jim strapaziert, als Dr.Thomson ihm sagte, dass er noch mindestens zwei weitere Tage im Krankenhaus bleiben müsse. "Zur Sicherheit". Auch am Abend fand er keine Ruhe. Aber anstatt versuchen zu schlafen, beschloss er dieses Mal, auf den Balkon zu gehen. Dort beobachtete er den vollen Mond und die Sterne. Es war eine klare Nacht. Doch nach einiger Zeit wurde es ihm zu kalt. Er beschloss, doch noch ein wenig zu schlafen. Als er über den langen dämmerigen Gang lief fuhr ihm ein Schauer über den Rücken. Er war wieder menschenleer. Jim beruhigte sich etwas, als er seine Zimmertür sah. Doch dieses Wohlbefinden verging binnen Sekunden, als der Aufzug am anderen Ende des Ganges aufging. Jim atmete auf, als er sah, woher das Geräusch kam. Doch trotzdem würde es ihm erst wieder gut gehen, wenn er in dem Krankenhausbett lag. Er drückte die Klinke herunter und öffnete die Tür. Mit einem letzten Blick schaute er sich noch einmal auf dem Gang um. Jim stockte in der Bewegung. Eine Frau, etwa Mitte 30, stand am Ende des Ganges kurz vor dem Aufzug. Sie starrte ihn an. Diese Frau hatte etwas unheimliches an sich. Aber irgendetwas fazinierte Jim auch. Er schloss die Tür wieder und ging auf die Frau zu. Sie bewegte sich nicht, sondern starrte Jim nur weiter an. Nach ein paar Sekunden hatte er die Frau erreicht. Sie hatte kalte Augen und war sehr blass. "Guten Abend", sagte Jim freundlich. "Haben sie sich ver...". Er stoppte mitten im Satz. Warum wusste er selbst nicht. Er hatte einfach den Faden verloren. Diese Augen schienen seinen Verstand zu blockieren, Jim konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Inzwischen machte er sich etwas Sorgen um die Frau. Vielleicht hatte sie einen Unfall gehabt und stand nun unter Schock. Auch hatte sie nur ein langes Nachthemd an. Etwas musste passiert sein. "Komm mit", sagte die Frau plötzlich. Ihre Stimme klang ebenfalls leer und kalt. "Wohin?", fragte Jim verwirrt. Doch die Frau drehte sich um und ging einen anderen Gang entlang. Jim folgte ihr. Er hatte keine Ahnung, wo es hin ging. Die Frau dagegen schien es genau zu wissen. Sie bog nach ein paar Metern in einen anderen Gang ein. Dieser war dunkler als die anderen. Eine Glühbirne war kaputt. Die Zimmertüren sahen alt aus, teilweise blätterten die Zahlen ab. Dieser Teil des Krankenhauses wurde wohl nicht mehr genutzt. Zumindest nicht im Moment. Auf einmal blieb die Frau stehen. Jim hielt ca. zwei Meter hinter ihr an. Die Frau drehte sich nun um, sodass sie mit dem Gesicht zu Jim stand. Einen Moment lang sahen sich beide nur an, dann legte sie die Hand an Jims Herz. Schlagartig durchfuhr ihn ein heftiger Schmerz. Er hatte das Gefühl, sein Herz würde zerspringen. Erschrocken blickte er die Frau an. Diese starrte nur weiter emotionslos zurück. Jims Beine wurden schwerer. Er hatte Probleme, überhaupt noch stehen zu bleiben. Schließlich gaben seine Beine nach und Jim sank langsam zu Boden. Nun nahm auch die Frau die Hand wieder von Jims Herz. Dieser rang nach Atem. Er sah auf den Boden. Eine rote Flüssigkeit breitete sich aus. Sie überspühlte den Boden des Krankenhausganges. Ein letztes Mal erhob Jim seinen Kopf um die Frau anzublicken. "Warum?", sagte er mit großer Anstrengung. Doch er würde seine Antwort niemals bekommen, denn in diesem Moment gab sein Körper auf und die leeren Augen fielen zu Boden.
"Es ist wieder vorbei", sagte Schwester Kalman zu Schwester Fox. Die beiden hatten den toten Jim Falk gefunden. "Sie hat wieder drei Opfer gefunden.", fügte Schwester Kalman hinzu. Schwester Fox reagierte nicht. Aber sie wusste, dass Schwester Kalman recht hatte. Zuerst Katherine, dann Mrs Nims und jetzt Jim. "Sie hört nicht auf. Sie schlägt immer wieder zu. Immer in der Woche ihres Todestages.", sagte Schwester Kalman weiter. "Das ist ihre Rache", gab Schwester Fox kühl hinzu. "Weil Dr.Thomson damals gepfuscht hat und sie deswegen gestorben ist holt sie sich jetzt immer drei Leute. Warum es gerade drei sind weiß ich aber auch nicht. Vielleicht weil sie drei Stunden nach Einlieferung gestorben ist. Deswegen schließen sich die Schwestern und Ärzte, die in der Zeit, in der sie damals gestorben ist, Nachtschicht haben auch immer in den Pausenraum ein. Bisher hat das ja immer geholfen." Schwester Kalman sah betroffen auf Jim. "Schade, er war süß", antwortete Schwester Fox. Sie drehte sich um und ging los, um einen Arzt zu holen. Schwester Kalman sah noch einmal auf Jim. Er lag dort auf dem Boden in seinem Blut. "Tut mir leid für dich. Du warst zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte sie leise zu dem jungen Mann.

Ende

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