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24th Longstreet Avenue

Mr. Smith öffnete langsam die Augen. Er stand in der Mitte eines kleinen Raumes. In dem Raum stand ein kleines Bett, eine Komode, ein Schrank und direkt daneben hing ein Spiegel. Es sah alles ganz normal aus, abgesehen von der Tatsache, dass überall Blutspuren waren. Große Flecken, sowohl an den Möbeln, als auch an den Wänden und dem Boden. Mr. Smith versuchte sich zu erinnern, wie die Flecken dort hingekommen waren. Aber er konnte es nicht. Er konnte sich an überhaupt nichts mehr erinnern, außer seinem Namen: John Smith und der Tatsache, dass er es vorzog, mit "Mr. Smith" angeredet zu werden. Mr. Smith ging langsam zu dem ebenfalls blutverschmierten Spiegel. Er sah einen Mann mit kurzen braunen Haaren, etwa Mitte 40. Er hatte ein paar kleine Kratzer im Gesicht und seine Kleidung, ein dunkler Pullover und eine schwarze Hose, waren ebenfalls voller Blutflecken. Was war hier nur passiert? Mr. Smith ging zu der einzigen Tür in dem Zimmer und öffnete sie. Er stand in einem größeren, schlecht beleuchteten Raum. Es gab dort ein Sofa, einen kleinen Fernseher und zwei größere Schränke. Über einem der Schränke hing eine Uhr. Sie zeigte 23.12Uhr an. Mr. Smith musste grinsen. "Wenn ich schon nicht weiß, wer ich bin, oder wo ich bin weiß ich doch zumindest, wie viel Uhr wir haben." Erst jetzt bemerkte Mr. Smith, dass es in diesem Raum auch überall Blutflecken gab. "Wem auch immer das Blut gehört, der lebt auf jeden Fall nicht mehr". Er wusste nicht genau warum, aber der Gedanke, dass ein Mensch soviel Blut verloren hatte, schreckte ihn kein bisschen. Aber warum nur? Mr. Smith trat in den Raum. Es gab drei weitere Türen. Die eine war klar als Wohnungstür zu erkennen, aber was war hinter den anderen beiden? Er bemerkte, dass es auch eine Küche, ohne Tür gab. Es schien sich aber nichts Besonderes in ihr zu befinden: Ein paar Haushaltsgeräte und natürlich Blut. Mr. Smith hätte es mehr gewundert, dort kein Blut zu finden. Er beschloss, sich die Räume hinter den Türen näher anzusehen. Er ging zu der Tür, die ihm am nächsten war und drückte langsam die Klinke runter. Als sich die Tür öffnete und Mr. Smith in das helle Licht des Raumes sah konnte er zuerst nichts erkennen, doch als seine Pupillen sich an das helle Licht gewöhnt hatten, wünschte er, diese Tür niemals geöffnet zu haben.
Susan Miller rannte, so schnell sie nur konnte durch den dunklen Kellergang. Vorbei an den tropfenden Heizungsrohren und den Privatkellerräumen. Das 16 jährige Mädchen mit den langen braunen Haaren und den Sommersprossen rannte, so schnell sie nur konnte. Ihr war der Weg bis zur Kellertür noch nie so lang vorgekommen, aber vielleicht lag das auch an der klaffenden Wunde an ihrem linken Arm. Diese Wunde und der daraus resultierende Blutverlust waren wahrscheinlich auch die Ursachen dafür, dass es Susan fast unmöglich war, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber selbst ohne diese Wunde wären die Ereignisse der letzten 2 Stunden nur sehr schwer zu begreifen gewesen. Dann endlich sah sie die Kellertür. Sie war noch etwa 30 Meter entfernt. Und dann war es wieder zu hören: Dieser regelmäßige, dumpfe Aufschlag, das tiefe Atmen. Susan wusste, was das hieß: Sie musste so schnell wie möglich aus dem Kellergang raus. Die Tür war noch etwa 10 Meter entfernt, aber die Geräusche wurden immer lauter. Sie waren noch etwa 20 Meter entfernt...15 Meter...10 Meter. Endlich erreichte Susan Die Kellertür. Sie ergriff die Klinke, drückte sie runter und...sank zu Boden. Sie hatte eine Sekunde vorher einen heftigen Stich im Rücken gespürt. Susan merkte, wie eine warme Flüssigkeit sich auf ihrem Rücken ausbreitete. Die Schmerzen entfernten sich langsam und sie nahm ihre Umwelt nur noch durch einen weißen Schleier wahr. Aber ihre Gedanken waren bis zu letzt bei ihrer Familie, die nur einige Meter entfernt getötet wurden. Und mit ihrem letzten Atemzug freute Susan sich, ihre Eltern und ihren Bruder wiederzusehen.
Mr. Smith sah direkt in die leblosen Augen einer Frau. Die junge Frau mit den roten, schulterlangen Haaren lag mit erschrockenem Gesicht in der Badewanne. Sie hatte zwei daumengroße Wunden auf ihrer Brust, direkt neben dem Herz. Das Badewasser war blutrot. Nach einigen Sekunden hatte Mr. Smith sich soweit gefangen, dass er ganz langsam auf die Frau zugehen konnte, um festzustellen, wie lange sie schon tot war. Fachmännisch untersuchte er die Frau. Mr. Smith war selbst erstaunt, woher er das konnte. Die Frau war eine knappe Stunde tot, vielleicht ein bisschen weniger. Er trat wieder ein paar Schritte zurück und sah nun den Wäschehaufen neben Der Badewanne. Er durchsuchte die Kleidung der Frau auf eventuelle Hinweise, wer sie (oder er) war. Neben ein paar einzelnen Zigaretten, einem fast leeren Feuerzeug und ein paar Päckchen Kaugummi fand Mr. Smith einen Zettel. "22.30Uhr, 24th Longstreet Avenue" stand dort handschriftlich drauf. "Gut", dachte Mr. Smith, "jetzt weiß ich zumindest, wo ich hier bin". 22.30Uhr...das könnte schon der Todeszeitpunkt sein. Aber wer war die Frau? Vielleicht eine Prostituierte? Nein, dazu passte ihr Outfit nicht (T-Shirt, Pullover, Jeans, Unterwäsche). Aber die wichtigere Frage war: Wer hat sie getötet? Und wem gehört das Blut in der restlichen Wohnung? Die Frau konnte mit diesen Verletzungen wohl kaum noch quer durch die Wohnung gelaufen sein. Hatte Mr. Smith sie vielleicht getötet? Aber warum? Mr. Smith ließ den Zettel und das Feuerzeug in seine Tasche gleiten. Vielleicht brauchte er es noch. Danach beschloss er, noch die beiden anderen Räume zu durchsuchen. Als er aus dem Badezimmer trat schloss er die Tür hinter sich. Er ging zu der nächsten Tür und öffnete diese. Abgesehen von der Tatsache, dass in diesem Zimmer keine Blutflecken waren, war dieser Raum auch nicht anders, als die anderen. Ein langes, dunkles Bett stand in der Mitte und rechts und links standen zwei hohe Schränke. Mr. Smith ging auf den ersten Schrank zu. Nach kurzem Überlegen öffnete er diesen. Ein paar alte Jacken und Hemden hingen dort, ansonsten gab es in dem hohen Kiefernschrank nichts. Ein bisschen beruhigt schloss Mr. Smith die Schranktüren wieder und ging zu dem anderen Schrank hinüber. Als er vor ihm stand, überlegte er einen Moment, was das hier alles zu bedeuten hatte. Er griff nach dem Türgriff und öffnete langsam die Tür. Auch in diesem Schrank war nichts Besonderes: ein paar Hosen, alte Hemden und ein paar Kleider. Während Mr. Smith die Tür schloss sah er auf den Boden des Schranks. Er stoppte in der Bewegung. Ein kleiner metallener Kasten stand dort. Mr. Smith nahm ihn hoch. Es war nichts Besonderes zu erkennen, außer, dass dieser Kasten weder einen Deckel, noch eine andere Öffnung hatte. Aber dennoch befand sich etwas im inneren dieser Box. Wenn man es bewegte konnte man etwas in dem Kasten rum rutschen hören. Aber wie war es dort hinein gekommen? Mit diesem Gedanken befasste sich Mr. Smith noch einen Moment, dann stellte er den Kasten wieder zurück auf den Boden des Schranks. Dann kam ihm eine Idee: Warum sah er sich nicht auch außerhalb der Wohnung mal um? Mr. Smith schloss die Schranktüren wieder und verließ den Raum. Als er Richtung Wohnungstür ging schweifte sein Blick noch einmal durch die Wohnung. Er wusste nicht was er suchte, er wusste nicht einmal, ob er etwas suchte. Er hatte nur Angst, etwas übersehen zu haben. Mit diesem Gedanken versuchte Mr. Smith zumindest, sich selber dieses Verhalten zu erklären. Er erreichte die Wohnungstür. Sie war nicht verschlossen, nicht einmal der Wohnungsschlüssel steckte. Mr. Smith ergriff die Türklinke und drückte sie runter, während er mit einem letzten Blick die Wohnung untersuchte. Er öffnete die Tür und sah hinaus. Der Gang wurde nur von zwei schwachen Lampen beleuchtet, doch das Licht reichte, um zu sehen, was gegenüber in der Wohnung passiert war. Mr. Smith stockte der Atem.
Es war genau 21.30Uhr, als David Johnson das Haus betreten hatte. Er hatte es mit derselben Taktik geschafft in das Haus zu kommen, wie die anderen Male auch. Er hatte unentdeckt gewartet, bis jemand das haus verließ, dann stürmte er zur Haustür und gelang so ins Treppenhaus. Trotz seiner Anspannung, gleich wieder einen Mord zu begehen war er hoch konzentriert. Diese Anspannung trat das erste Mal auf, als sein Vater seine Mutter und ihn verließ. Er verschwand mit seiner Sekretärin in die Südsee. Davids Mutter wurde Alkoholabhängig. Nachdem sie ihren Job als Krankenschwester verlor ging sie auf den Strich, um ihren Sohn und sich irgendwie zu ernähren. Und natürlich, um ihre Alkoholsucht zu befriedigen. David allerdings hielt seine Mutter für eine Schlampe, die schuld war, dass sein Vater, den er über alles liebte, verschwand. Seine Anspannung entlud sich das erste Mal mit 15, als David von der Schule kam und seine Mutter mit einem Freier im Bett erwischte. Er erstach den Freier mit 19 Messerstichen und tötete seine Mutter mit 21 Messerstichen. Durch eine psychologische Beurteilung wurde David als vermindert Schuldfähig eingestuft und musste nur 5 Jahre ins Gefängnis. Als er mit 20 Jahren wieder auf freiem Fuß war, verlagerte sich seine Wut auf Prostituierte. Das einzige, was ihm das Gefängnis gebrachte hatte, war, dass er nun seine Spuren soweit verwischen konnte, dass die Polizei ihm nichts nachweisen konnte. Mit 23 Jahren fing er an, Mütter von Kindern aus Kinderheimen aufzuspüren und diese zu töten. Nachdem die Polizei mit 25 Jahren auf seine Spur gekommen war und er sie nur mit Mühe von seiner Unschuld überzeugen konnte, verließ David seine Heimatstadt und reiste quer durch die USA. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Trotzdem tötete er immer weiter. Mit 27 Jahren erstach David zum ersten Mal einen Vater, der sein Kind geschlagen hatte. David hatte dies auf der Straße gesehen und war ihnen nachgegangen. Nach über einer Woche Beobachtung verschaffte sich David Zutritt zu dem Haus des Vaters und erstach ihn. David hatte extra solange gewartet, weil er nicht wollte, dass der Sohn dies mit ansehen musste. Im Laufe der nächsten Jahre wurde diese Anspannung zu einem Zwank, der immer wieder in unregelmäßigen Abständen auftrat. David entwickelte sogar eine besondere Strategie: Durch einen Job als Putzmann bei einem Elektriker war er an eine Uniform gekommen. Mit dieser wartete David ein Stück entfernt, dass jemand das Haus verließ. Dann stürmte er zur Tür, um so Zutritt zu dem Haus zu haben. Da er nur in Mehrfamilienhäusern tötete, war dies eine sehr erfolgreiche Strategie. Danach ging David zu einer beliebigen Tür und klopfte an. Er sagte dann meistens: "Ich bin von den Stadtwerken und muss ihre Stromanlage untersuchen." Dadurch ließen ihn die meisten Leute in die Wohnung. Sobald sich die Tür hinter ihm schloss holte David ein Messer aus seinem Werkzeugkasten und stach zu. Danach zog er seine Uniform aus und verstaute sie in seinem Werkzeugkasten. In den nächsten Tagen reinigte er die Uniform dann in einem Waschsalon. Diese Strategie klappte immer gut, denn jetzt, mit 32 Jahren schlug diese Strategie noch nicht einmal fehl. Aber natürlich beobachtete er die Häuser, in denen er jemanden töten wollte erst einmal genau. Es mussten alte Menschen und allein stehende, junge Frauen sein. Auch achtete David darauf, dass keiner in diesem Haus einen Beruf hatte, indem man Schusswaffen benutzt. Auch in diesem Fall war es so: David hatte das Haus in der 24th Long Street Avenue 2 Wochen lang beobachtet. Jetzt freute er sich schon richtig auf den nächsten Mord. Doch als er an einer Tür anklopfen wollte, fiel ihm auf, dass die Tür nur angelehnt war. Er schob die Tür auf und trat langsam ein. "Hallo?", rief er in die Wohnung. Keine Antwort. David trat langsam in die Wohnung ein. Der Fernseher lief, das war zu hören. David ging langsam auf das Zimmer zu, aus dem er den Fernseher hörte. Damit er seine Rolle als Elektriker nicht gefährdete rief David noch einmal: "Hallo?". Wieder keine Antwort. David erreichte die Wohnzimmertür und schob sie langsam auf. Was er sah ließ David erschrocken rückwärts aus dem Zimmer taumeln.
Mr. Smith blickte auf die Leichen zweier Menschen, die im Wohnzimmer in der Wohnung gegenüber in zwei großen Blutlachen auf dem Boden lagen. Da die Wohnung gut erleuchtet war, konnte er sofort sehen, dass auch die beiden Toten, ein kleiner Junge und ein alter Mann, zwei etwa daumengroße Wunden direkt neben dem Herz hatten. Mr. Smith wandte seinen Blick ab und sah auf den Boden vor der Tür. Dort lag ein Mann, ebenfalls tot. Doch was Mr. Smith noch mehr wunderte, als die Tatsache, dass er innerhalb von 20 Minuten 4 tote Menschen gefunden hatte, war, dass dieser Mann augenscheinlich erschossen wurde.
David starrte auf die Leichen eines alten Mannes, mit kurzen grauen Haaren und einer kleinen Narbe über dem linken Auge und die eines kleinen Jungen. Dieser hatte kurze blonde Haare und trug wohl eine Brille, zumindest lag eine neben dem Jungen. David atmete einmal tief durch und ging dann auf die beiden Toten zu. Sie konnten noch nicht lange tot gewesen sein, sie waren sogar noch warm. Auch die daumengroßen Wunden direkt neben den Herzen der beiden bluteten noch. David zog ein kleines braunes Notizbuch aus seiner Hosentasche und schrieb: ,,Alter Mann, ca. 80 Jahre alt, kleiner Junge, ca. 6 Jahre alt. Todesursache: Zwei Messerstiche neben dem Herz. Mörder:", David stoppte. Er schrieb nach diesem Muster alle seine Opfer auf, aber diese beiden Menschen hatte nicht er getötet. Aber wer war es dann? Und dann fiel David etwas siedend heiß ein: Der Mörder musste noch irgendwo in diesem Haus sein, die beiden waren erst seit ein paar Minuten tot. Vielleicht versteckte sich der Mörder sogar noch irgendwo in der Wohnung. David war nicht besonders groß und auch nicht besonders stark, in deinem Kampf hätte er keine Chance. David musste dort verschwinden. So schnell, wie möglich. Er schrieb in sein Notizbuch hinter "Mörder:" ein Fragezeichen und steckte es zurück in die Hosentasche. Dann wischte er hastig mit einem Taschentuch seine Fingerabdrücke von der Wohnzimmer- und der Wohnungstür, nahm seinen Werkzeugkasten und ging zügig in Richtung Wohnungstür. Als David die Wohnungstür erreichte hörte er auf dem Gang jemanden. Er hörte einen regelmäßigen dumpfen Aufschlag und ein tiefes Atmen. David ging wieder ein paar Schritte zurück in die Wohnung. Die Geräusche kamen immer näher. David sah sich hektisch in der Wohnung um. Irgendwo musste er sich verstecken. Aber wo? Dann sah David es: einen Wandschrank in einem kleinen Gang links neben der Tür. David rannte so leise er konnte zu dem Wandschrank und schob die Tür auf. Der Platz reichte. David stieg in den Schrank und zog die Tür wieder zu. Dann lauschte er. Die Geräusche kamen immer näher, bis sie schließlich in die Wohnung kamen. Diese Person ging auf das Wohnzimmer zu, das konnte David hören. Doch dann stoppte sie auf einmal. Einen Moment lang stand sie nur da, doch dann hörte David, dass diese Person auf ihn zukam. Das Geräusch des dumpfen Aufschlags und das tiefe Atmen wurden immer lauter. David hörte sein Herz schlagen. Immer schneller. David spürte ein Gefühl, dass er sehr lange nicht mehr gespürt hatte: Angst. Nicht irgendwelche Angst, sondern Todesangst. Er musste unwillkürlich an seine Opfer denken. Nicht unbedingt an die, die er, nachdem sich die Tür hinter im geschlossen hatte sofort erstach und sie höchstens einen kleinen Schmerz spürten, sondern die, die mit ansehen mussten, wie ihre Freunde oder Familie niedergestochen zu Boden sank und in Panik in ein Zimmer rannten und sich dort einschlossen. David ging dann immer zu der Telefonleitung und schnitt sie durch, sodass seine Opfer keine Polizei rufen konnten. Dann nahm er einen Schraubenzieher und fing damit an, die Tür aus ihren Angeln zuzuschrauben. In den 5-10 Minuten flehten die Opfer meistens um Gnade und boten ihm Geld oder ähnliches an. David achtete gar nicht auf sie. Wenn dann die Tür offen war ging er langsam auf seine Opfer zu, das Messer in der Hand. Oft flehten seine Opfer dann noch ein letztes Mal unter Tränen, sie doch am Leben zu lassen. David sagte dann kein Wort und stach zu. Diese Todesangst, die seine Opfer gespürt hatten, als er die Tür aus den Angeln schraubte und mit dem Messer auf sie zu kam, spürte nun David selbst. Sollte es das wirklich gewesen sein? Sein ganzes Leben? Nein. David beschloss, nicht kampflos zu sterben. Er zog sein Messer aus seinem Werkzeugkasten und hielt sich bereit, sobald die Tür aufging, zuzustechen. Er hatte keine Ahnung, ob er gewinnen könnte, aber er würde es versuchen. Die Geräusche stoppten vor dem Wandschrank. David umklammerte den Griff seines Messers fest. Doch dann machte sein Herz einen Aussetzer bei dem, was er hinter einem kleinen Spalt an der Tür sah. Der Spalt war David vorher nicht aufgefallen, obwohl er fast auf Augenhöhe war. Doch ihm wäre lieber gewesen, er hätte diesen Spalt niemals entdeckt, denn das, was er auf der anderen Seite sah, war grauenhaft. Er konnte ein Stück grüne, vernarbte Haut sehen. Und ein Auge. Es war feuerrot und David spürte etwas schreckliches, als er hinein sah. Es war, als ob er den Schmerz aller seiner Opfer spüren würde. David glitt das Messer aus der Hand. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Gleich würde es, was auch immer es war, die Tür öffnen und ihn töten, das war klar. David schloss in diesem Moment mit seinem Leben ab. Er schloss die Augen und wartete ab, was passieren würde. Dann hörte David, wie eine Tür geöffnet wurde. David spannte jeden Muskel in seinem Körper an, doch dann hörte David, wie der dumpfe Aufschlag und das tiefe Atmen sich entfernten. David wagte es, ein Auge zu öffnen und bemerkte, dass nicht Die Wandschranktür geöffnet wurde. David lauschte: Es wurde wohl eine Tür auf dem Gang geöffnet, er hörte zumindest ein Mädchen und ein Jungen heftig streiten. Das Mädchen hieß wohl Susan, soviel bekam David mit. Und er bekam auch mit, dass dieses Wesen sich aus der Wohnung bewegte. Dieses Wesen schien der Familie hinterher zu gehen. David konnte es nicht fassen: Er hatte wirklich überlebt. Dieses Wesen hatte ihn nicht getötet. David sah durch den Spalt, um zu sehen, ob es wirklich weg war. "Keine Spur mehr von ihm", dachte David. Er schob die Tür wieder auf und steckte das Messer zurück in den Werkzeugkasten. David konnte es nicht fassen: er war diesem Wesen wirklich entkommen. David schlich zur Wohnungstür. Die Familie war zwar noch zu hören und auch der dumpfe Aufschlag und das tiefe Atmen, aber die Geräusche waren weit entfernt. Es hörte sich so an, als ob die Familie schon an der Haustür war. Dann schrie das junge Mädchen, das sich einen Moment vorher noch mit dem Jungen gestritten hatte, auf. Sekunden später entfernten sich die Geräusche weiter, sie bewegten sich wohl in den Keller. Doch das war David egal. Mit einem Gefühl der Freiheit verließ er die Wohnung. Er bemerkte auf einmal, dass seine Anspannung völlig weg war. Dies passierte sonst erst nach einem Mord. Aber David fühlte sich noch freier, als nach seinen Morden. Dieses Gefühl hatte er zum letzten Mal, als er seine Mutter und ihren Freier erstach. Ob das an der Todesangst lag? Sollte David vielleicht doch mal versuchen, einen Polizisten zu töten? "Dieses Gefühl ist einfach unglaublich", dachte David, "ich sollte versuchen, das bei meinen Morden auch zu kriegen. Dann würde vielleicht auch ein Mord im Monat reichen. Aber wie mach ich das am besten, dass ich dieses Gefühl be...", David verstand erst selber nicht, warum er mitten in seinen Gedanken stoppte, doch dann merkte er einen stechenden Schmerz in der Brust. Augenblicklich versagten Davids Beine und er sank zu Boden. Er schaffte es noch, auf seine Brust zu schauen. Eine kleine Wunde befand sich auf der Höhe des Herzens und Blut trat aus. Davids Blick wurde schemenhafter und ein weißer Schleier legte sich über alles, was er sah. Dennoch sammelte David seine letzten Kräfte, um zu sehen, wer ihm diese tödliche Wunde beigebracht hatte, immerhin war das Wesen unten im Keller. David erkannte einen Mann mit einer Pistole in der Hand. Er konnte diesen Mann nicht näher beschreiben, denn das Sehen fiel ihm immer schwerer. David ließ seinen Kopf wieder zu Boden sinken. Er dachte noch einmal über sein Leben nach: ,,Hätte ich meine Wut besser kontrollieren sollen?" David verstand in diesem Moment selber nicht mehr, warum er überhaupt tötete, doch das Denken fiel ihm immer schwerer und David beendete seine Gedanken mit dem Satz "Na ja, jetzt ist es auch egal". Seine Augen blickten auf seinen Werkzeugkasten, der neben ihm auf dem Boden lag. Doch sie sahen nichts mehr. David Johnson, der Mörder von 78 Menschen, war bereits tot.
Mr. Smith sah den Toten fragend an. "Wer erschießt Menschen, wenn hier ein verrückter Messerstecher rumläuft?" Oder war vielleicht er der Mörder der jungen Frau und den beiden Menschen in der Wohnung gegenüber? Ein Schmerz durchzuckte Mr. Smith. Er sah einen Text vor seinem geistigen Auge. In diesem Text ging es um einen Mann namens David Johnson, der vermutlich eine Frau in ihrem Apartment erstochen hatte. Doch dafür gab es allerdings keine Beweise. Mr. Smith sah auch ein Foto vor sich. Das Bild stimmte mit dem Toten, der vor ihm lag, überein. Was war das für ein Text? Er sah nicht aus, als ob er aus einer Zeitung war. Eher wie ein...Mr. Smith sah eine Waffe auf dem Boden liegen, nur ein paar Meter von dem Toten weg. Mr. Smith ging auf die Waffe zu und sah sie sich an. Eine Beretta 92D. Was? Woher wusste er, was für eine Waffe das war? War es seine? Die Waffe war entsichert und es fehlten drei Kugeln in dem Magazin. Mr. Smith drehte sich um und sah auf die Wunde des Toten. Da haben wir wohl die erste Kugel. Aber wo waren die anderen? Mr. Smith sicherte die Waffe und steckte sie ein. Es gab ihm eine gewisse Sicherheit, die Waffe bei sich zu haben. Er ging in ruhigen Schritten zu der Wohnungstür, vor der der Tote lag. Mr. Smith trat in die Wohnung ein und sah sich um. Er bemerkte nichts besonderes an dieser Wohnung. Obwohl Mr. Smith wusste, dass die Situation sehr gefährlich war, wurde er doch unwillkürlich durch die Wohnung beruhigt. Überall standen kleine Figuren von Kindern herum, die Fotos oder Blumensträuße hielten. An den Wänden hingen Bilder von Tieren, insbesondere Katzen. Auch die Tatsache, dass es, außerhalb des Wohnzimmers, nirgends Blutflecken gab wirkte eine gewisse Ruhe auf ihn aus. Mr. Smith ging in langsamen Schritten auf das Wohnzimmer zu. Er blieb in der Wohnzimmertür stehen. Eigentlich müsste er gar nicht näher heran gehen, Mr. Smith sah auch so, dass beide, sowohl der kleine Junge, als auch der alte Mann, durch zwei daumengroße Stiche direkt neben dem Herzen getötet wurden. Trotzdem, Mr. Smith wusste selbst nicht genau, warum, ging er näher heran. Als er vor dem kleinen Jungen stand, kniete er sich hin und schaute auf den Jungen. Das Gesicht war angstverzehrt. Was war nur passiert, dass dieser Junge derart erschrocken aussah? Schaute der Junge so, weil er mit ansehen musste, wie der alte Mann, vielleicht sein Großvater, getötet wurde? Mr. Smith wusste es nicht. Aber es gab noch eine Frage, die ihn beschäftigte: Wie konnte jemand unbemerkt in die Wohnung gelangen und sowohl den alten Mann als auch den Jungen im Wohnzimmer überraschen? Die Wohnungstür war aus festem Holz und es waren auch keine Einbruchsspuren zu sehen. Aber wenn einer der beiden die Tür geöffnet hätte, wäre er bestimmt nicht wieder zurück in das Wohnzimmer gelaufen. Mr. Smith stand wieder auf. Sein Gefühl und sein Verstand rieten ihm eines: So schnell wie möglich aus diesem Haus zu verschwinden. Er drehte sich um und ging auf die Wohnungstür zu. Doch noch bevor er die Wohnzimmertür erreichte verspürte Mr. Smith einen stechenden Schmerz in seinem Kopf. Augenblicklich wurde alles schwarz vor seinen Augen.
Nach einigen Sekunden konnte Mr. Smith einen Mann erkennen, der mit zügigen Schritten auf eine kleine Gasse zuging. Man konnte das Gesicht des Mannes wegen der Dunkelheit nicht erkennen. In dieser Gasse stand, mit einer Zigarette in der Hand, bereits eine Frau. Als sie den Mann sah, ging sie einige Schritte auf den Mann zu. Nun erkannte Mr. Smith die Frau: Es war die Tote aus der Badewanne. Der Mann und die Frau fingen an, sich angeregt zu unterhalten, aber Mr. Smith konnte nichts verstehen. Das Bild entfernte sich wieder von ihm und mit einem schmerzenden Schlag befand er sich wieder in der Wohnung. Mr. Smith stand, schweißnass und an die Wand gestützt, vor der Wohnzimmertür. Was hatte er gesehen? War er der Mann gewesen, der sich mit der Frau getroffen hatte? Aber was wollte er von ihr? Mr. Smith bemerkte, wie Angst in ihm hochstieg. Nicht nur, dass sich ein Mörder in diesem Haus befand, auch sein Körper schien gegen ihn zu arbeiten. Er atmete einmal tief durch und verließ dann die Wohnung. Wieder in dem kleinen Gang ging Mr. Smith so schnell er konnte zu dem Treppenhaus. Er wusste weder, wer die Frau aus der Gasse war, noch warum der Junge so erschrocken aussah, aber es interessierte ihn auch nicht mehr. Sein einziger Wunsch war es nun, dieses Haus zu verlassen. Mr. Smith rannte die Treppe runter und erreichte die Haustür. Er ergriff die Türklinke und drückte sie runter. Die Tür öffnete sich langsam. Doch als die Tür ganz offen war stieß Mr. Smith einen erschrockenen Schrei aus. Die Frau aus der Badewanne stand vor ihm. Sie war kreidebleich und ihre Lippen waren blau. Ihre leeren Augen sahen ihn an. Mr. Smith zog sofort die Beretta, entsicherte sie und schoss. Die Kugeln trafen die tote Frau an Herz und Kopf. Doch sie zeigten keine Wirkung und Mr. Smith taumelte nach hinten. Die Frau streckte die Hände nach ihm aus. Mr. Smith wollte auf keinen Fall von der Toten berührt werden und taumelte deswegen weiter in Richtung Treppe. An der untersten Stufe stolperte er allerdings und fiel nach hinten. Mr. Smith fuhr erschrocken hoch. Er war in der Wohnung des alten Mannes und des Jungen. Er lag auf dem Boden vor der Wohnzimmertür. Schweißnass und keuchend vor Angst. Anscheinend war er nach seinem Blackout doch nicht wieder einfach weiter gegangen. Dieser Gedanke war so ziemlich der einzige, den er im Moment fassen konnte, denn noch immer pochte sein Herz wie wild und er zitterte. Mr. Smith setzte sich auf das Sofa und starrte auf seine Füße. Obwohl er erst seit einer halben Stunde in diesem Alptraum war, fühlte er doch, dass er langsam an seine Grenzen kam. Aus irgendeinem Grund wusste Mr. Smith, dass er schon oft in Stresssituationen war, aber diese hier übertraf alles. Was ihm Angst machte waren nicht die Toten, er war irgendwie an den Anblick gewöhnt, sondern die Tatsache, dass Mr. Smith sich nicht sicher war, wer oder was hier Menschen tötete. Die Tatsache, dass der Junge und der alte Mann getötet wurden, obwohl die Tür nicht geöffnet wurde (höchstwahrscheinlich wurde sie erst vom Mörder angelehnt und war vorher verschlossen gewesen) und die Frau in ihrer Badewanne, in einer verschlossenen Wohnung getötet wurden machten Mr. Smith Angst. Wenn er doch zumindest wüsste, wer er war. Er wurde wieder ruhiger. Mr. Smith stand auf und verließ die Wohnung. Er schlug beim hinausgehen mit der Hand gegen die Tür, um zu sehen, ob er etwas spürte, nur zur Sicherheit, dass er nicht wieder träumte. Als er in zum Treppenhaus ging fragte sich Mr. Smith, warum jemand alle Menschen in diesem Haus töten sollte, aber ausgerechnet ihn am Leben lassen sollte. Er wusste es nicht. Als Mr. Smith die Treppen runter ging versuchte er sich abzulenken. Er versuchte krampfhaft, sich an Dinge aus seinem Leben zu erinnern. Doch es gelang ihm nicht. Mr. Smith beschloss, sich damit am nächsten Morgen zu beschäftigen. Jetzt musste er dieses Haus erst einmal verlassen und die Polizei rufen. Sollten die sich doch weiter mit diesem Mörder rumschlagen. Als Mr. Smith die Haustür erreichte, fing sein Herz wieder an, schneller zu schlagen. Er musste schmunzeln. "Es wird ja wohl kaum so ablaufen, wie in meinem Traum", dachte er. Sicherheitshalber ließ Mr. Smith seine rechte Hand jedoch zu der Beretta gleiten. Er ergriff die Türklinke und drückte sie runter. Doch die Tür öffnete sich nicht. Sie war abgeschlossen. Mr. Smith zog stärker an der Tür. Er spürte, wie Ärger in ihm aufstieg. Er sollte von einer Haustür aufgehalten werden? Nein. Mr. Smith zog seine Beretta, entsicherte sie und feuerte auf das Schloss der Tür. Die Tür schwank langsam auf. Zufrieden sicherte er seine Waffe wieder und steckte sie weg. Als Mr. Smith die Türklinke berührte, um die Tür ganz zu öffnen, durchstieß ihn wieder der Schmerz, den er auch schon auf dem Gang und in der Wohnung spürte. Er konnte das Haus nicht verlassen. Noch nicht. Er musste den Mörder von Isabell finden und töten. Isabell war die Tote aus der Badewanne, das wusste Mr. Smith nun. Isabell war eine sehr gute Freundin von Mr. Smith, vielleicht sogar mehr. Er war in diesem Haus, um sich mit Isabell zu treffen. Er hatte zwar immer noch Angst und würde am liebsten sofort gehen, doch er konnte nicht. Er durfte nicht. Er musste zuerst noch etwas erledigen. Er konnte den Mörder von Isabell nicht einfach entkommen lassen. Er musste sie rächen. Mr. Smith wurde klar, dass er ein Profi war. Worin, wusste er nicht, aber er wusste, dass er ein perfekter Schütze war und er es auch mit diesem Mörder aufnehmen konnte. Langsam schloss Mr. Smith die Tür wieder. Er wusste, dass dies wahrscheinlich ein Fehler war, aber dieses Risiko war er bereit einzugehen. Er fühlte, wie er neuen Mut fasste. Er wusste, dass er es mit dem Mörder aufnehmen konnte. Das Licht im Treppenhaus ging aus und Mr. Smith zuckte zusammen. Obwohl er nun neuen Mut gefasst hatte, konnte er seine Angst nicht ganz unterdrücken. Mr. Smith ging zum Lichtschalter und drückte ihn. Die schwache Beleuchtung ging wieder an. Da er den Mörder kaum vor der Haustür treffen würde, beschloss Mr. Smith das Haus von oben nach unten abzusuchen. In schnellen Schritten ging Mr. Smith wieder in die 1.Etage. Er sah sich die anderen vier Türen an, um vielleicht einen Hinweis darauf zu bekommen, in welcher Wohnung der Mörder noch war. An der alten, noch mit einem Weihnachtskranz geschmückten Tür der Familie Olsen waren keine Einbruchsspuren zu erkennen. Mr. Smith wusste zwar, dass dies bei diesem Mörder nichts zu bedeuten hatte, aber da die Tür des alten Mannes und des Kindes nur angelehnt war, könnte es auch gut sein, dass der Mörder auch Indizien bei anderen Türen hinterlassen hatte. Aber auch an der Tür von Familie Oldman waren keine Spuren zu sehen. Ebenfalls unberührt war die Tür der Familie Miller. Das Namensschild an der letzten Tür konnte man nicht mehr lesen. Jemand hatte es mit einem Schlüssel oder ähnlichem völlig verkratzt. "Schade", dachte Mr. Smith, "ganz so einfach macht der Mörder es mir wohl doch nicht".
Alfred Deep freute sich jedes Mal, wenn sein Enkel zu Besuch kam. Eric, Alfreds Enkel war jetzt 6 Jahre alt. Jedes Wochenende kam er in die 24th Longstreet Avenue um seinen Opa zu besuchen. Seit seine Frau vor 2 Jahren gestorben war fühlte er sich oft sehr einsam und litt gelegentlich auch unter Depressionen. Doch immer, wenn Eric kam, ging es Alfred sofort besser. Sie spielten dann meistens etwas und sahen sich danach Erics Lieblingssendung im Fernsehen an. Danach brachte Alfred Eric ins Bett und las ihm noch etwas vor, oder erzählte eine Geschichte. Alfred konnte sich sehr gut Geschichten ausdenken, er arbeitete Korrekturleser und hatte dadurch so viele Bücher gelesen, dass er keine Probleme hatte, sich eine kleine Geschichte auszudenken. Am nächsten Morgen weckte Alfred Eric immer so gegen 9Uhr und sie frühstückten zusammen. Danach spielten sie noch etwas und gegen 12 Uhr holte Erics Mutter ihn dann immer ab. So lief es jedes Wochenende ab. Doch nicht an diesem. Alfred und Eric sahen sich gerade Erics Lieblingssendung an, als es an der Tür klingelte. Als Alfred öffnete stand dort ein Vertreter. Dieser beruhte fast 15 Minuten lang darauf, dass Alfred nicht ausreichend versichert sei. Nachdem Alfred schon fast laut geworden war und selbst Eric schon aufgestanden war, um zu sehen, mit wem seiner Opa redete, gab der Vertreter auf, entschuldigte sich für die Störung und ging wieder. Auf dem Weg wieder in das Wohnzimmer erklärte Alfred Eric, was der Mann wollte und warum er solche Leute später, wenn er seine eigene Wohnung hatte, auf keinen Fall reinlassen durfte. Als die beiden das Wohnzimmer betraten hörte Alfred etwas auf dem Gang der von den Wohnungen zu dem Treppenhaus führte. Es war ein dumpfer, regelmäßiger Aufschlag. Alfred dachte sich nichts weiter dabei, es waren bestimmt nur wieder die beiden Kinder von dieser Miller. Er konnte Mrs. Miller nicht besonders leiden. Sie beschwerte sich immer darüber, dass Alfred zu laut wäre, wenn Eric da wäre, aber ihre Kinder hörten selber den ganzen Tag laute Musik oder stritten sich. Doch Alfred hatte sich noch nie darüber beschwert. Das Geräusch wurde lauter. Eric schien es auch zu hören, denn er blieb mitten im Raum stehen und lauschte. "Setz dich wieder, Eric", sagte Alfred freundlich, "das sind bestimmt nur wieder die beiden Kinder von gegenüber. Ich werde da morgen mal anschellen und mich mal beschweren. Das geht nicht, dass diese Blagen Tag und Nacht lärm machen." Doch Eric starrte Alfred nur erschrocken an. Alfred wusste nicht, warum. "Was hast du?" Erich zeigte mit entsetztem Gesicht auf eine Stelle hinter Alfred. Er drehte sich um. "Ah", dachte Alfred, "das Geräusch hat aufgehört. Vielleicht hat der Vater endlich mal durchgegriffen." Alfred schaffte nur eine halbe Drehung, dann spürte er, wie etwas spitzes seinen Oberkörper durchdrang. Augenblicklich viel Alfred auf den Boden. Er versuchte sich aufzurichten, doch weder seine Arme, noch seine Beine hatten genug Kraft dafür. Dann hörte Alfred, wie Eric aufschrie. "NEIN!", schrie Alfred, "bitte! Nehmen sie sich, was sie wollen, aber lassen sie meinen Enkel in Ruhe!" Ein paar Sekunden lang hörte man nur ein immer leiser werdendes Gewimmer von Eric, bis eine kalte, böse Stimme den Raum erfüllte: "Da kommt noch jemand. Er wird bestimmt eintreten, wenn ich die Tür anlehne. Dann sterbt ihr wenigstens nicht allein." Das tiefe Atmen, das Alfred erst jetzt wahrnahm und der regelmäßige, dumpfe Aufschlag entfernten sich und er hörte, wie die Tür angelehnt wurde. Alfred hatte den Angreifer nicht sehen können, er fiel so, dass er mit dem Rücken zu dem Mörder lag. "Eric", sagte Alfred mit schwindender Kraft, "keine Sorge, die Millers gehen um diese Zeit immer noch mal raus. Sie werden die offene Tür sehen und uns helfen. Eric?" Doch Eric antwortete nicht. Auch das Wimmern hatte aufgehört. Alfred wusste, was das bedeutete. Und unwillkürlich kamen Erinnerungen an Frankreich wieder hoch, wo er 1944 gegen die Deutschen kämpfte und auf die gleiche Weise einen guten Freund verloren hatte. Die Deutschen hatten ihn damals auch einfach mit einer Schusswunde liegen lassen. Zum Glück für ihn wurde er von einer englischen Einheit wenig später gefunden. Doch Alfred war um einiges älter und er spürte, dass diese Verletzungen schwerer waren, als die Schusswunde. Mit seiner letzten Kraft schaffte Alfred es aber dennoch, sich hochzustemmen und versuchte, das Telefon zu erreichen. Doch seine Beine hielten ihn nicht lange genug und als Alfred auf den Boden fiel wusste er, dass er in wenigen Sekunden bei seiner Frau und seinem Enkel sein würde. Das letzte, was Alfred wahrnahm war eine Männerstimme, die "Hallo?" rief. Unmittelbar nach diesem Wort starb der 82 jährige Mann.
Mr. Smith hatte die Wohnung des alten Mannes und des Jungen nun ebenfalls untersucht, allerdings keine Spuren gefunden, die auf den Mörder schließen ließen. Er verließ und die Wohnung wieder und sah dabei kurz auf das Namensschild: "Deep." Was für ein Mensch tötet nur so viele Menschen und darunter sogar einen kleinen Jungen? Mr. Smith musste seinen Gedanken berichtigen. Es war nicht unbedingt ein Mensch. Aber das brachte ihn zu einer anderen, noch wichtigeren Frage: Was war es dann? Er ging den schwach erleuchteten Gang bis zum Treppenhaus. Es gab noch eine 2. Etage. Mr. Smith stieg die dunkle Treppe hoch und stand vor einer festen Stahltür mit einem alten Schild dran: "Betreten verboten! Verdacht auf besonderen Pilzerreger". Besonderen Pilzerreger? Was für ein Erreger soll das sein, der durch eine Stahltür aufgehalten wird? Mr. Smith wurde Neugierig. Was befand sich hinter der Tür? Der Mörder war es zwar wahrscheinlich nicht, aber dennoch musste dahinter etwas sein, dass es wert war, besonders zu schützen. Mr. Smith sah sich das Schloss an. Dann sah er sich um. ein Blumentopf stand neben der Tür. Er grinste. "Perfekt". Er hatte keine Ahnung, ob sein Plan funktionieren könnte, aber er wollte es drauf ankommen lassen. Mr. Smith nahm eine Kugel aus seiner Beretta und steckte sie in das Schloss. Dann nahm er den Blumentopf, stellte sich so weit wie möglich von der Tür weg und schlug mit dem Blumentopf und mit aller Kraft auf die Kugel. Das Schiesspulver explodierte und beschädigte das Schloss soweit, dass nur noch ein paar gezielte Tritte nötig waren, um die Tür zu öffnen. Zufrieden betrat Mr. Smith den staubigen Dachboden. Außer einigen großen Umzugskartons konnte er nichts Ungewöhnliches entdecken. Dann hörte er ein Rascheln hinter sich. Sofort zog Mr. Smith seine Waffe, entsicherte sie und zielte auf eine der dunklen Ecken. Davon gab es auf diesem Dachboden leider viel zu viele, da das Licht, dass die Straßenlampe vor der Tür spendete, nur durch einige Löcher an den morsche Löcher schien, welche sich durch viele der Bretter zogen, womit die Fenster zugenagelt waren. Das Rascheln wurde lauter und Mr. Smith umklammerte seine Waffe fest mit beiden Händen. Dann trat es ins Licht: eine kleine Maus. Aufatmend sicherte Mr. Smith seine Waffe wieder und steckte sie ein. Dann wandte er sich wieder den Umzugskartons zu. Sie schienen schon eine Weile dort oben zu stehen. Sie waren staubig und mit Spinnenweben übersäht. Alle, bis auf etwa 6 Stück, die ihm erst jetzt auffielen. Sie standen an der entgegengesetzten Wand. Mr. Smith ging mit vorsichtigen Schritten darauf zu. Da der Boden bei jedem Schritt verdächtig knarrte, traute er sich nicht, schneller zu gehen. Als er die Kisten erreichte sah er auf einer die Aufschrift: "Vorsicht, zerbrechlich. Auf keinen Fall anfassen". Jetzt wollte Mr. Smith erst recht wissen, was sich im inneren befand. Er öffnete die Kiste und sah, was sich im inneren befand. Drogen. Etwa 20 Tütchen mit Haschich. Mr. Smith war erstaunt. Damit hatte er nicht gerechnet. Allerdings konnten ihm die Drogen in seiner momentanen Lage auch nicht helfen, also schloss er die Kiste leicht enttäuscht wieder. Mr. Smith ließ seinen Blick noch einmal über den Dachboden schweifen, doch er sah nichts, was ihm weiter helfen könnte, diesen Mörder zu erledigen. Langsam ging er wieder zu der Tür und lehnte sie hinter sich an. In Gedanken versunken stieg er die Treppen wieder runter zur 1.Etage. Konnte er den Mörder wirklich aufhalten? Immerhin hatte dieser Mörder es geschafft, mindestens vier Menschen zu töten. Als Mr. Smith die 1.Etage erreicht hatte, hörte er etwas aus einer der Wohnungen. Sofort zog Mr.Smith seine Waffe und entsicherte sie. Mit langsamen, ruhigen Schritten ging er auf die Wohnung zu, aus der die Geräusche kamen. Es war die Wohnung der Oldmans. Die Tür war angelehnt und man hörte jemanden etwas durchwühlen. War das der Mörder, oder lebte doch noch jemand in diesem Haus. Es konnte niemand mehr leben. Der Mörder tötete bisher jeden, den er traf, ausgenommen Mr.Smith. Warum sollte er den Mann verschonen? Aber warum wurde Mr. Smith verschont? Er umklammerte den Griff seiner Waffe fest, sprang vor die Tür und trat sie mit einem Schritt auf. Er zielte mit seiner Waffe direkt auf das verängstigte Gesicht eines pummeligen Mannes mit kurzen braunen Haaren und einer kleinen Brille. Niemand hätte sagen können, wer in diesem Moment erschrockener drein blickte: Der Mann, der auf dem Boden des Flurs saß und völlig verängstigt in den Lauf von Mr.Smiths Beretta schaute, oder Mr.Smith, der fest damit gerechnet hatte, dass außer ihm und dem Mörder niemand mehr leben würde. "Bi...Bitte. Tun Sie mir nichts.", stammelte der Mann. Mr. Smith sah den Mann kalt an. "Wer sind Sie?", fragte er. "Jack Oldman, Sir." Jack hatte seine Stimme zwar wiedergefunden, doch weiterhin war die nackte Angst in seiner Stimme zu hören. "Bitte tun Sie mir nichts.", wiederholte Jack. Mr. Smith sah Jack weiterhin kalt an. Nach einigen Sekunden senkte er die Waffe, sicherte sie wieder und steckte sie zurück in seinen Gürtel. Jack atmete auf, doch sein Körper verspannte sich sofort wieder, als Mr. Smith anfing zu sprechen. "Wie sind Sie dem Mörder entkommen?", fragte Mr. Smith weiterhin kühl und trat einige Schritte weiter in die Wohnung. Er schloss die Tür hinter sich. "Ich...ich hab einfach geschlafen. Ein guter Freund, dem eine Disco hier in der Nähe gehört, wollte heute Abend eine Party schmeissen und da ich weiß, wie es da zur Sache geht, wollte ich vorher schon etwas schlafen.", umso länger Jack redete, umso sicherer fühlte er sich. "Und Sie haben wirklich nichts mitbekommen?", fragte Mr.Smith. "Hm...Doch! Vorhin. Ich hab zwei Schüsse gehört.", sagte Jack stolz. Mr.Smith reagierte nicht. Er wusste, dass die beiden Schüsse von ihm abgegeben wurden, um die beiden Türen zu öffnen. Er sah sich um. Überall hingen Urlaubsfotos und auf der Komode standen einige Vasen. Mr. Smith blickte zu Boden. Die unterste Schublade der Komode war aufgeschoben. "Was haben Sie gesucht?", fragte Mr.Smith weiter kühl. "Als ich gerade die Wohnung verlassen hatte, sah ich den Toten vor der Wohnung der Deeps. Ich wollte die Polizei rufen, aber das Telefon ist tot. Also wollte ich mich zumindest verteidigen können. Ich hab meine Magnum da unten gesucht.", sagte Jack, der nun endlich vom Boden aufgestanden war. Eine Magnum. Genau das, was Mr.Smith gesucht hatte. Er kniete sich hin und durchsuchte die Schublade. "Ähm...wer sind Sie?", fragte Jack nun weitaus mutiger. "John Smith", antwortete Mr.Smith knapp, ohne einmal von der Schublade aufzusehen. "Und...wie haben Sie überlebt, John?", fragte Jack, selbst erstaunt von seinem Mut. Doch dieser löste sich genauso schnell auf, wie er gekommen war, als Jack Mr.Smiths eisigen Blick traf. "Was...was ist los?" Jack versuchte sich zu beruhigen, doch Mr.Smiths Blick machte diese Bemühungen sofort wieder zunichte."1.", sagte Mr.Smith eiskalt und langsam, "nennen Sie mich bitte Mr.Smith, Mr.Oldman. 2.Hatte ich Glück, dass ich überlebt habe. Haben Sie sonst noch fragen?" Jacks Kopf sagte "Sei bloß ruhig!", doch irgendetwas stärkeres trieb die nächste Frage aus ihm raus. "Warum sind Sie dann nicht schon längst abgehauen?" Jack bereute sofort, dass er nicht auf seinen Kopf gehört hatte. Dieser Mann war zu allem fähig. Erst jetzt bemerkte Jack, dass Mr.Smith blutverschmiert war. "Ich habe nicht vor, den Mörder einfach so entkommen zu lassen." Mr. Smith bemerkte, dass Jack erschrocken zurück wich. "Sie...Sie sind der Mörder dieses Mannes!", Jack trat langsam immer weiter zurück. "Wenn ich wirklich der Mörder wäre, warum habe ich Sie dann nicht sofort an der Tür erschossen? Außerdem wurden noch mindestens drei weitere Personen getötet. Durch Messerstiche, oder ähnlichem. Warum hätte ich diese Leute mit einem Messer töten sollen, wenn ich hier eine Waffe habe?" Mr.Smith deutete auf seine Beretta. Jack blieb einen Moment starr in der Wohnzimmertür stehen, dann schien er Mr.Smiths Worten zu glauben, denn er bekann, langsam wieder auf ihn zuzugehen. Aber konnte sich Mr.Smith seiner Worte wirklich sicher sein? Es war nicht auszuschließen, dass er die Menschen alle getötet hatte. Aber warum dann Isabell? Warum dann eine Person, die ihm viel zu bedeuten schien? Und wem gehörte die Beretta, die Mr.Smith auf dem Boden gefunden hatte. War es vielleicht seine? Oder gehörte sie dem Mörder? Mr.Smith wusste auf keine dieser Fragen eine Antwort und so beschloss er, diese auch erst einmal in den Hintergrund zu stellen, denn jetzt war es wichtig, den Mörder zu erledigen. Es gab nichts weiter in dieser Schublade, womit man sich verteidigen könnte, also erhob Mr. Smith sich langsam wieder. "Haben Sie sonst noch Waffen?", fragte Mr.Smith. "Nein, nur diese Magnum", sagte Jack leicht überrascht "wofür brauchen Sie denn noch eine Waffe? Sie haben doch auch noch ihre Beretta." Mr. Smith sah sich noch einmal in dem Raum um. "Sicher ist sicher", sagte er knapp. Jack schluckte. Was musste das für ein Mörder sein, gegen den zwei Waffen, bedient von diesem Schrank von Mensch, nicht ausreichten? "Und...und was machen wir jetzt weiter?", fragte Jack unsicher. Er würde am liebsten überhaupt keine Fragen mehr stellen um nicht Gefahr zu laufen, wieder von Mr.Smiths eisigen Blicken getroffen zu werden. "Wie gut können Sie mit der Magnum schießen?", fragte Mr.Smith in einem ungewohnt lockeren Ton. "Wenn unser Gegner eine Dose ist, hat sie keine Chance gegen mich." Jack lachte. Er erinnerte sich noch an seine Schiessübungen vor einigen Wochen. Er traf kaum etwas, außer Dosen. Jack wusste selbst nicht genau, woran es lag, aber er traf jede Dose, aus fast jeder Entfernung. Mr.Smiths eiskalter Blick traf Jack erneut. "Das ist kein Spiel. Wenn der Mörder Sie findet und Sie ihn nicht treffen, war es das." Mr.Smith bereute, überhaupt in diese Wohnung gegangen zu sein. "Aber Sie sind doch auch noch da, oder?", fragte Jack unsicher. "Ich dachte eigentlich, dass Sie sich hier oben weiter umsehen, während ich den Keller absuchen werde.", antwortete Mr.Smith. "Ich...ich soll den Mörder alleine suchen?!", fragte Jack erschrocken. "Ich habe hier oben schon fast alle Wohnungen durchsucht, der Mörder ist wahrscheinlich nicht hier oben.", sagte Mr.Smith. Er wusste, dass er übertrieben hatte, denn das war erst die dritte Wohnung, die er durchsucht hatte, aber es war ihm im Moment wichtiger, dass Jack das tat, was er sagte. "Warum muss ich dann noch die anderen Wohnungen durchsuchen, wenn der Mörder eh nicht hier oben ist?", fragte Jack ungläubig. "Weil jemand die Polizei rufen sollte", antwortete Mr.Smith ernst. Die Polizei? Was musste das für ein Mörder sein, der neben Mr.Smith noch die Polizei brauch, um ausgeschaltet zu werden? "Ist...ist gut.", sagte Jack beunruhigt. Mr.Smith nickte. "Aber bitte durchsuchen Sie alle Wohnungen, vielleicht gibt es Verletzte.", sagte Mr.Smith. "Wie soll ich denn in die Wohnungen reinkommen?", fragte Jack unsicher. "Sie schießen mit der Magnum einfach die Tür des Hausmeisters auf und holen sich den Generalschlüssel.", sagte Mr.Smith, während er die Magnum auf ihre Funktionsfähigkeit überprüfte. Jack grinste. Als er zu seinem Schlüsselkasten ging, sah Mr.Smith von der Magnum hoch. Jack schien etwas in seinem Schlüsselkasten zu suchen. "Ich bin der Hausmeister hier.", sagte Jack vergnügt, "Ich hab ganz vergessen, dass ich ja einen Generalschlüssel hab". In dem Gewirr aus Schlüsseln zog Jack nun einen langen Metallschlüssel hervor. "Gut", sagte Mr.Smith und streckte Jack die Waffe hin. Jack nahm sie und steckte sie gekonnt in seinen Gürtel. Mr.Smith ging zu der Wohnungstür und öffnete sie. Er spähte auf den Gang hinaus. Das Licht war wieder ausgegangen, Mr.Smith drückte auf den Lichtschalter neben der Tür. Langsam ging das schwache Licht wieder an. Weder auf dem Gang, der das Treppenhaus mit den Wohnungen verband, noch im Treppenhaus war jemand zu sehen. Mr.Smith drehte sich wieder zu Jack um. "Also, Sie sehen sich in den Wohnungen hier oben um und Ich werde Mich im Keller umsehen", sagte Mr.Smith. "Ist gut", sagte Jack darauf achtend beruhigt zu klingen. Mr.Smiht trat auf den Gang hinaus und ging in Richtung Treppenhaus, als er einen unterdrückten Schrei hörte. Dieser kam von Jack, der nun vor der Leiche von David Johnson stand. "Diese Wohnung habe Ich schon kontrolliert", sagte Mr.Smith und zeigte auf die Wohnung von Mr.Deep. "Oh, gut", sagte Jack "sonst hätte Ich das natürlich gemacht, aber so..." Genervt drehte Mr.Smith sich wieder um und ging weiter zum Treppenhaus. Als er es erreichte, spähte er hinunter. Es war niemand zu sehen, aber der Mörder würde wahrscheinlich auch nicht im Treppenhaus stehen und hinauf se..."VIEL GLÜCK", rief Jack von der Wohnung der Millers herrüber. Blitzschnell drehte Mr.Smith sich um und zeigte mit verschiedenen Gesten, dass Jack leiser sein sollte. "OH, TUT MIR LE...ähm, ich meine, tut mir leid", sagte Jack nun leiser. Jack in Gedanken beschimpfend ging Mr.Smith die Treppen hinunter.
Jack stand in dem nur schwachbeleuchteten Gang. Er hatte beschlossen, zuerst die Wohnung der Millers zu durchsuchen. Es gab auch einen guten Grund für Jack, zuerst diese Wohnung zu durchsuchen: Er war, seit er vor 5 Jahren in das Haus gezogen war, in Mrs Miller verliebt gewesen. Jack hatte Mrs Miller auch schon oft ins Kino oder zu einem Kaffee eingeladen, doch da gab es ein Problem und zwar Mr.Miller. Dieser Mann war rasend eifersüchtig auf Jack. Und er spürte, dass Mr.Miller auch der Grund war, warum Mrs Miller in immer hatte abblitzen lassen. Diese Fadenscheinigen Ausreden sie hätte keine Zeit und die Kinder würden jeden Moment von der Schule kommen und dann müsste das Mittagessen fertig sein, hatte Jack nie geglaubt. Mrs Miller hatte es bisher auch immer wieder geschafft, ihn nicht in die Wohnung zu lassen, dabei würde er so gerne mal sehen, wie seine Geliebte Angelika, wie Mrs Miller mit Vornamen hieß, so eingerichtet war. "Dann hat dieser Mörder ja vielleicht doch etwas gutes", dachte Jack und musste schmunzeln. Er schob den langen Schlüssel in das Schloss und drehte ihn. Mit einem knacken entriegelte sich die Tür und Jack konnte sie öffnen. Nervös schob er die Tür auf. Wie war Angelika wohl eingerichtet? Oder hatte ihr Mann die Wohnung eingerichtet? Auf jeden Fall musste die Wohnung wunderschön sein, denn schließlich lebte dort Angelika. Jack trat ein. Mit seiner linken Hand drückte er einen Schalter und das Flurlicht ging an. Er stand in einem kleinen Zimmer. Direkt links neben der Tür, knapp unter dem Lichtschalter stand eine alte Holzkomode. Gegenüber der Holzkomode stand ein Schuhschrank. Der Raum war in einem hellen Orangeton gestrichen worden und wirkte dadurch sehr freundlich und einladend. Als Jack sich weiter in dem kleinen Raum umsah, bemerkte er ein Urlaubsfoto der Familie Miller auf der Holzkomode. Die beiden Kinder waren halb in weißem Sand vergraben, während Angelika auf einem Handtuch daneben lag und lächelte. Mr.Miller hatte wohl das Foto gemacht, denn er war nirgends zu sehen. Jack fiel auf einmal auf, dass er gar kein Bild seiner Geliebten hatte. Und dieses Bild war wirklich schön. Ob er es mitnehmen sollte? Ob die Millers den Verlust bemerken würden? "Natürlich würden sie das...", dachte Jack. Aber Mr.Miller war Fotograf bei einer großen Zeitung und Jack wusste, dass sein Beruf auch gleichzeitig sein Hobby war. Deswegen hatte Mr.Miller bestimmt jede Menge, noch viel bessere, Urlaubsfotos gemacht. Da würde es sie bestimmt nicht stören, wenn Jack dieses hier mitnehmen würde. Jack lehnte die noch offene Wohnungstür an und blickte sich verstohlen um. Da die meisten Türen geschlossen waren, konnte Jack nicht sehen, ob er wirklich alleine war. Doch es war nichts zu hören. Mit einer schnellen Handbewegung ließ Jack das Urlaubsfoto in der Hosentasche verschwinden. In diesem Moment hörte Jack etwas aus dem Schlafzimmer. Ein tiefes Atmen und ein regelmäßiger dumpfer Aufschlag. Damit keiner auf die Idee kommen könnte, Jack sei ein Einbrecher, rief er: "Hallo? Hier ist Jack Oldman. Sie wissen schon, der Hausmeister..." Die Schlafzimmertür öffnete sich langsam. Jack fuhr fort: "Hier im Haus wurden einige Menschen getötet und ich wollte sehen, ob bei Ihnen al...oh mein Gott".
Mr.Smith stand vor der Kellertür. Mit der rechten Hand berührte er seine Beretta. Die linke Hand umklammerte die Türklinke der Kellertür. Mr.Smith gingen die Ereignisse dieser Nacht noch mal durch den Kopf. Er konnte noch immer kaum fassen, was alles passiert war. Aber einige Dinge waren für ihn immer noch rein Rätsel: Warum hatte er überlebt? Und warum war er so Blut verschmiert? Hatte er diese ganzen Menschen vielleicht getötet? Aber warum hatte er Jack dann am Leben gelassen? Und wenn der Mörder doch jemand anderes war? Doch die Frage, die Mr.Smith am meisten beschäftigte, war: Warum hatte er sein Gedächtnis verloren? Was suchte er überhaupt in diesem Haus? Mr.Smith wusste, dass er sich mit Isabell treffen wollte...aber warum? Aber eines war ihm ganz klar: er würde keine Antworten bekommen, wenn er hier nur rumstehen und über die Ereignisse nachdenken würde. Er entsicherte seine Waffe und richtete sie auf die Tür. Mit seiner linken Hand drückte er die Türklinke runter und öffnete die Tür langsam. Doch eine Waffe konnte ihn nicht gegen das Grauen, das hinter der Tür auf ihn wartete, helfen.
Jack wich erschrocken zurück, bis er mit dem Rücken an die Komode stieß. Die Schlafzimmertür stand nun ganz auf und eine Gestalt starrte ihn vom Türrahmen aus mit ihren Feuerroten Augen an. Der Rest des Gesichts war nicht zu sehen, da die Gestalt im Schatten stand. Jack überlegte fieberhaft, was er jetzt machen sollte. Dann fiel ihm wieder ein, dass er seine Magnum dabei hatte. Schnell zog er die Waffe aus seinem Gürtel und hielt sie der Gestalt entgegen. Der Lauf zitterte stark. Jacks gesamter Körper zitterte ebenfalls. Die Gestalt ging langsam auf Jack zu. "Kei...keine Bewegung", stotterte Jack. Das Wesen ging weiter, bis es noch etwa 2 Meter von Jack entfernt stand. Nun stand die Gestalt im Licht. Die etwa 1.80m große Gestalt hatte eine lange Kutte an, sodass nur die langen, spitzen, grünen Finger und das grüne vernarbte Gesicht zu erkennen waren. Doch dies reichte schon, um in Jack Todesangst hervorzurufen. Der kalte Atem war nach wenigen Augenblicken im gesamten Raum zu spüren. So kam es Jack zumindest vor. Er wollte abdrücken, doch seine Finger gehorchten ihm nicht mehr. Die Gestalt setzte zum Sprechen an: "Nimm die Waffe runter". Jack gehorchte. Er wusste selbst nicht, warum, aber er ließ die Magnum langsam sinken. Die Gestalt allerdings streckte die Hände nach dem verängstigten Mann aus. Jack stockte der Atem. Er konnte nicht mal mehr schreien. Doch er fand seine Stimme wieder, als die Gestalt ihn berührte. Sie legte die Hände auf Jacks Schultern. "Bitte! Töten Sie mich nicht. Ich...ich hab auch nichts gesehen, ich werde Sie nicht identifizieren können.", flehte Jack. Die Gestalt nahm die Hände von Jacks Schultern, ergriff allerdings mit einer Hand seinen Hals. Er versuchte sich aus dem Griff der Gestalt zu befreien, doch diese schien es nicht zu stören, im Gegenteil, sie fing an zu lachen, als sie Jacks Befreiungsversuche sah. Jack dagegen spürte, wie ihm die Luft langsam knapp wurde. Die Gestalt lächelte noch mehr, als sie merkte, dass Jacks Angriffe gegen ihn langsam schwächer wurden. "So soll es also enden", dachte Jack "erdrosselt von einem grünen...was ist das eigentlich?" Doch Jack hatte keine Zeit, noch weiter darüber nachzudenken, denn die Gestalt drückte so fest zu, dass Jack überhaupt keine Luft mehr bekam. Ihm fiel wieder ein, dass er seine Magnum immer noch in der Hand hielt, doch als er versuchte, seinen Arm in die richtige Position zu bringen, merkte Jack, dass seine Kräfte nachließen. Er hatte nicht einmal mehr die Kraft, seinen Arm zu heben. Seine Lungen versuchten verzweifelt, Luft zu bekommen, doch für sie gab es keine mehr. Jacks Blick wurde glasig. Alles entfernte sich von ihm. Kurz überdachte er noch einmal sein Leben und er stellte fest, dass er nichts wirklich bereute (vielleicht lag es aber auch nur an dem Sauerstoffmangel). Nur eine Sache störte ihn: Er war niemals mit Angelika zusammengekommen. Und mit einem kräftigen Druck auf den Hals entfernte die Gestalt das letzte Stück Leben aus Jacks Körper. Sie löste seinen Griff um Jacks Hals und ließ den Körper zu Boden fallen.
Mr.Smith starrte in den dunklen Kellergang. Eigentlich störte ihn der Anblick von Leichen nicht, doch die, die vor ihm lag, war die Leiche eines Mädchens. Er trat langsam näher. Direkt hinter der Tür zum Keller lag die Leiche eines jungen Mädchens, etwa 16 Jahre alt. Ihr Gesicht verriet, dass sie große Angst gehabt haben musste. Mr.Smith machte sich nicht die Mühe, den Puls des Mädchens zu fühlen. Es war offensichtlich, dass sie bereits tot war. Sie war Kreide weiß und kalt. Mr.Smith ging an der Toten vorbei. Mit einem gekonnten Schlag auf den Lichtschalter rechts neben der Tür erhellte er den Gang ein wenig. Doch das Licht war nur schwach und der Gang recht lang, so konnte Mr.Smith das Ende nur erahnen. Seine Schritte halten unheimlich wieder. Die tropfenden Rohre an den Wänden lenkten Mr.Smith etwas ab, doch er versuchte sich, so gut es ging, auf den Rest des Kellers zu konzentrieren. Mit langsamen Schritten und seine Beretta vor sich gerichtet ging er durch den Gang. Auf einmal blieb Mr.Smith stehen. Irgendetwas lag vor ihm auf dem Boden, noch etwa 30 Meter entfernt. Noch ein Opfer dieses Mörders? Mr.Smith ging auf die am Boden liegende Gestalt zu. Umso näher er kam, umso schneller wurde er. Mr.Smith erkannte, dass dort nicht nur eine Person, sondern sogar drei lagen. Ein Mann, eine Frau und ein Kind, etwas jünger, als das Mädchen am Eingang. Die Frau trug eine enge Jeans und ein schwarzes T-Shirt, das stark mit Blut verschmiert war. Ihre langen dunklen Haare lagen ebenfalls in einer Blutlache. Das Gesicht des Mannes war nicht zu erkennen, da er auf dem Bauch lag. Er trug ebenfalls eine Jeans und einen Pullover, der durch zwei daumengroße Stichwunden auf dem Rücken mit Blut bedeckt war. Das Kind trug eine schwarze Stoffhose und ein braunes T-Shirt. Er hatte ebenfalls zwei daumengroße Stichwunden auf dem Rücken. Der Junge lag, Arme und Beine von sich gestreckt, neben seinen Eltern. Mr.Smith betrachtete die Familie regungslos. Dieser Mörder machte wirklich vor nichts und niemandem halt. Hier lag eine ganze Familie, den Gesichtern der Frau und der Tochter nach zu urteilen mit Todesangst vor ihrem Tod. Und der alte Mann mit seinem Enkel und der Mann vor der Tür der beiden. Und Isabell. Sie alle wurden von diesem Mörder umgebracht. Ein kleiner Schmerz durchzuckte Mr.Smiths Kopf. Es kamen Zweifel in ihm hoch, dass wirklich der Mörder den Mann vor der Wohnung der Deeps erledigt hat. Aber Mr.Smith konnte sich mit diesem Gedanken nicht weiter befassen. Er musste zuerst den Mörder erledigen. Mr.Smith ging weiter. Er versuchte, seinen Kopf so frei wie möglich zu halten, doch es gelang ihm nur schwer. Etwa 20 Meter vor ihm kam eine Linkskurve. Kurz davor presste Mr.Smith sich an die Linke Wand und lauschte. Es war nichts zu hören. Mit einem Sprung stand er hinter der Kurve in der Mitte des Ganges. Mr.Smiths Herz schlug schneller. Knapp 10 Meter vor ihm ging der Weg wieder um eine Kurve, diesmal rechts herum. Doch das war es nicht, was Mr.Smiths Herz schneller schlagen ließ. Es war die offene Tür einer der Privatkeller, die ihn nervös machte. Er ging langsam auf den Keller zu. Es gab keine Anzeichen, dass dort jemand drin war, aber dennoch spürte Mr.Smith Angst in sich hochkriechen. Denn er hätte es genauso gemacht. Er hätte auch eine Tür geöffnet und sich in dem Raum versteckt. So hatte man die beste Deckung. Mr.Smtih ging langsam und hochkonzentriert auch den Raum zu. Als er die Tür erreichte, stoppte Mr.Smith kurz. Er atmete einmal tief durch und sprang in den dunklen Raum. Er war leer. Weder Menschen, noch Gegenstände waren zu finden. Mr.Smith, der durch den Sprung auf dem Boden lag, stand auf. Ein gellendes Lachen durchstieß die Stille. Mr.Smith fuhr herum. Im Eingang des Raumes stand Jack. Er sah Mr.Smith mit großen Augen an und lachte aus vollem Hals. Mr.Smith sah Jack erstaunt an. "Haben Sie die Polizei schon geru..." Mr.Smith stockte, als er die Würgemahle an Jacks Hals sah. "Was ist passiert?", fragte Mr.Smith erstaunt. Jack, dessen Lachen langsam leiser wurde, torkelte auf Mr.Smith zu. Sein Gang erinnerte an den, eines Betrunkenen. Jack streckte die Hände nach Mr.Smith aus. Dieser erhob sofort seine Waffe. "Was hast Du mit Mr.Oldman gemacht?", fragte Mr.Smith wütend. "Was soll ich denn mit dem gemacht haben?", fragte Jack und lachte wieder lauter. Doch auf einmal verstummte sein Lachen. Er sah Mr.Smith ernst, fast böse an. Mr.Smith wollte gerade zum Sprechen ansetzen, als Jack auf ihn zusprang. Mr.Smith drückte sofort ab. Jack riss die Augen auf und fiel mit einem leisen Knall zu Boden. Mr.Smith wollte eigentlich gar nicht schießen, es war eher so etwas, wie ein Reflex. Und dann kam Mr.Smith ein ganz neuer Gedanke: War Jack vielleicht der Mörder? Immerhin war er der Hausmeister und hatte für alle Wohnungen Schlüssel. Mr.Smith fragte sich, wieso er auf diese Idee nicht schon vorher gekommen war. So musste es gewesen sein. Von wegen ein nicht menschlicher Mörder. So ein Quatsch! Mr.Smith sicherte seine Waffe. Er sah Jacks Leiche an und fragte sich, wie so ein Mensch so viele Menschen töten konnte. Mr.Smith ging auf die Tür des Kellerraums zu. Aber jetzt drängten sich andere Fragen in den Vordergrund: Wem gehörten die Drogen auf dem Dachboden? Und die wichtigste: Wer war Mr.Smith und was war mit seinem Gedächtnis passiert? Vielleicht würde er ein paar Antworten bekommen, wenn er nochmal die Wohnung durchsuchte, in der er wachgeworden war. Mr.Smith blieb am Ausgang stehen. Etwas bewegte sich hinter ihm. Aber dort war nur die Leiche von Jack. Mr.Smith musste an seinen Traum denken. Der, den er in der Wohnung der Deeps hatte. Sofort drehte er sich wieder um. Jacks Leiche bewegte sich. Aber nicht so, wie sich jemand bewegt, der nach einem Sturz wieder aufstehen wollte. Es sah eher aus, als wenn etwas aus Jacks innerem versuchte, rauszubrechen. Mr.Smith verstand erst nicht, was er dort sah. Eine große Beule entstand an Jacks Rücken. Sie wurde immer größer, bis sie schließlich aufbrach. Teile des Rückrads, sowie etwas Blut verteilten sich im Raum. Doch es trat viel weniger Blut aus der Wunde, wie es bei einem erst gerade erschossenen üblich war. Jack musste vorher schon tot gewesen sein. Doch was Mr.Smith mehr erschreckte war die Gestalt, die sich aus Jacks eingeweiden erhob. Mr.Smith starrte die Gestalt einen Moment lang an. Dann, als sie sich ganz aus Jacks Körper erhoben hatte, zog Mr.Smith seine Waffe. Er entsicherte sie und zielte auf die Gestalt. Diese trat eine Schritt von Jacks Körper weg und blieb dann stehen. "Was sind Sie?", fragte Mr.Smith und starrte die Gestalt zornig an. "Beschränke dich auf die wichtigen Fragen, denn meine Jungen haben bereits Hunger." "Deine...Jungen?!"
Die kleine Metallbox in Isabells Wohnung bewegte sich. Ein leises Schlagen war zu hören, bis das Metall schließlich aufbrach und kleine Krallen das Loch vergrößerten. Nach wenigen Minuten war das Loch groß genug, damit die kleinen grünen Gestalten aus den Kasten entkommen konnten. Sofort fingen die Wesen an, die Blutflecken, die sich überall befanden, aufzuschlecken.
"Ja", erklang die kalte Stimme der Gestalt "Sie waren in einer kleinen Metallbox in der Wohnung, in der Du wach geworden bist. Eigentlich hättest du gar nicht wach werden dürfen, aber ich habe Deinen Willen etwas unterschätzt." "Warum", fragte Mr.Smith langsam "Warum hast Du Isabell getötet? Und Die Deeps? Und diese Familie hier auf dem Gang? Und den Mann vor der Wohnung der Deeps?" "Das war ich nicht", sagte die Gestalt sofort "Den Mann hast Du erschossen. Er hatte vor, in diesem Haus Menschen zu töten, das habe ich gespürt." Die Gestalt machte eine kurze Pause, Mr.Smith zielte immer noch mit seiner Beretta auf sie, dachte jedoch über das nach, was sie so eben gesagt hatte. "Und was die anderen Menschen betrifft", setzte die Gestalt erneut an "brauchte ich sie nicht. Sie hätten mir nur Probleme bereitet, wenn ich sie am Leben gelassen hätte. Ich brauchte nur einen lebenden Menschen. Und zwar den stärksten. Und das warst du!" Die Gestalt grinste Mr.Smith böse an. "Meine Jungen werden sich erstmal von dem Blut, dass ich in der Wohnung verteilt habe, ernähren. Doch, um richtig zu wachsen brauchen sie auch lebende Nahrung. Und zwar die stärkste, die zur Verfügung steht." Mr.Smith schluckte. Es war kein Glück gewesen, dass er überlebte. Es war Absicht! Er sollte als Futter dienen. "Eigentlich wollte ich diesen Jack am Leben lassen, doch als Du kamst, brauchte ich ihn nicht mehr. Ich wollte ihn gerade töten, als Du wieder wach wurdest. Für den Fall, dass du mir entkommen wärst, habe ich ihn am Leben gelassen." Mr.Smith starrte die Gestalt mit großen Augen an. Wenn sie ihn jetzt angegriffen hätte, hätte er nicht einmal schiessen können. "Aber...aber warum habe ich mein Gedächtnis verloren?", fragte Mr.Smith immer noch schockiert von der Wahrheit. "Nebenwirkungen von dem Gift, mit dem ich Dich betäubt habe.", sagte die Gestalt knapp. "Und wann kommt mein Gedächtnis wieder?", fragte Mr.Smith weiter. "Garnicht mehr...zumindest nicht bei Dir", sagte die Gestalt grinsend. Es war ein schrecklicher Anblick: Die langen, dunklen Zähne drückten sich aus dem Mund und die roten Augen fixierten Mr.Smith. "Warum nicht?", fragte Mr.Smith wütend. "Weil Du jetzt sterben wirst!", rief die Gestalt und sprang auf Mr.Smith zu. Dieser zielte mit seiner Waffe auf die Stirn, konnte jedoch nicht mehr abdrücken, da die Gestalt ihn bereits angesprungen hatte. "Jetzt werde ich Dir noch zeigen, wie ich die Menschen alle getötet habe", sagte die Gestalt und streckte Zeige- und Mittelfinger aus. Sie hielt die Finger genau über Mr.Smiths Herz. Die Gestalt holte auf und ließ die Finger auf Mr.Smith zu rasen. Dieser ergriff seine Waffe und schlug der Gestalt damit in ihr Gesicht. Die verschaffte ihm genug Spielraum, um den Fingern auszuweichen. Zumindest fast. Mr.Smith spürte einen stechenden Schmerz ein paar Zentimeter neben seinem Herz. Mr.Smith schlug noch einmal auf die Gestalt, sodass diese ihre Finger aus seinem Körper rauszog. Mr.Smith taumelte gegen die Wand, hinter ihm, direkt neben der Tür. Doch er hatte nicht vor, zu verschwinden. Zumindest nicht, solange dieses Wesen noch lebte. Doch Mr.Smiths Blick wurde langsam trüber und sein Atem schwerer. Übelkeit stieg in ihm hoch. Er sah zu seiner Wunde runter. Das Blut lief heraus. Mr.Smith blickte wieder zu der Gestalt, doch konnte er nicht mehr begreifen, was im Bruchteil einer Sekunde passierte: Das Wesen war aufgesprungen und hatte Mr.Smith alle fünf Finger seiner Hand in den Bauch gerammt. Die roten Augen glühten mehr denn je. "Wie kannst du es wagen?!", schrie ihn die Gestalt an "mich zu schlagen?!" Mr.Smith wollte antworten, doch seine Stimme versagte, es wurde alles weiß um ihn herum und seine Kräfte ließen nach.
Mr.Smith öffnete die Augen. Er lag auf dem Boden des Kellerraumes. Neben ihm Jacks Leiche. Er hörte, wie die Gestalt sich über ihn lustig machte:"Du hättest eben nicht hier her kommen sollen. Das hast Du jetzt davon, jetzt bist du tot!" Stimmte es? War Mr.Smith wirklich tot? Und dann spürte er den Schmerz wieder. Den Schmerz seiner sechs Wunden, aus denen immer noch das Blut lief. Doch etwas hatte sich geändert. Mr.Smith konnte sich wieder erinnern. An alles. Er war Mitglied einer Untereinheit der New Yorker Polizei, die sich um Drogendelikte kümmerte. Genau wie Isabell. Sie hatte den Verdacht, dass Jack mit Drogen dealte. Diese Untereinheit ging vor der Polizei in das Haus und sicherte die Beweise. So sollte Mr.Smith es in diesem Haus, zusammen mit Isabell, die sich dort gut auskannte, da sie dort wohnte, auch ablaufen. Mr.Smith wollte gerade zu Isabell, als er David Johnson sah. Da Mr.Smith ihn aus den Polizeiakten kannte, wollte er ihn aufhalten. Dass David dabei erschossen wurde, war eher ein Versehen. Mr.Smith hatte geglaubt zu sehen, dass David etwas aus seinem Werkzeugkasten holen wollte. Darum hatte er geschossen. Und nun wusste er auch, wer der Mann in der Gasse war, mit dem er Isabell gesehen hatte. Es war er selbst. Sie hatten sich in der Gasse getroffen, damit die Nachbarn ihn nicht schon kannten und Verdacht schöpfen würden. Mr.Smith war nun alles wieder klar. Das Adrenalin, dass freigesetzt wurde, als er sich in Lebensgefahr befand, hatte die Wirkung des Giftes wohl aufgehoben. Aber Mr.Smith wusste nun auch wieder, dass ihn die Gestalt direkt danach angegriffen hatte, er aber noch zwei Schüsse auf sie abgeben konnte. Dies hatte allerdings nichts gebracht. Er musste die Gestalt irgendwie anders töten. Und Mr.Smith hatte auch schon einen Plan.
Die Gestalt lachte immer noch über Mr.Smith, der so dumm war und sich mit ihm angelegt hatte. Doch jetzt musste die Gestalt nach den Jungen sehen und ihnen irgendwoher eine lebende Mahlzeit besorgen. "Hey, Arschloch", sagte Mr.Smith vergnügt und erhob sich unter großen Anstrengungen wieder. Die Gestalt starrte Mr.Smith erstaunt an. Doch dann grinste die Gestalt wieder. "Ich dachte schon, ich müsste neues Futter für meine Jungen suchen", sagte sie böse. "Wenn ich mit Dir fertig bin, wird das deine geringste Sorge sein", sagte Mr.Smith ebenfalls böse. "Und was hast Du vor?", fragte die Gestalt lachend. Mr.Smith holte die Beretta raus und entsicherte sie. "Du kannst es nicht mehr wissen, aber Kugeln machen mir nichts aus", sagte die Gestalt kalt. Doch Mr.Smith störte sich nicht daran und stürmte los. Er rannte auf die Gestalt zu und bückte sich unter ihrem Arm weg. Mr.Smith war nun wieder aufm dem Kellergang. Er rannte, so gut es seine Beine gestatteten, durch den schmalen Gang wieder zurück in Richtung Ausgang. Er hörte ein tiefes Atmen und einen regelmäßigen dumpfen Aufschlag direkt hinter sich. Sie kamen schnell näher. Mr.Smith drehte sich um, um zu sehen, woher der regelmäßige Aufschlag kam. Es war ein langer Schwanz, der vorher unter der Kutte verborgen war und beim rennen regelmäßig auf den Boden aufschlug. Die Gestalt hatte ihn fast erreicht. Mr.Smith rannte vorbei an den drei Leichen. Er sah den Ausgang bereits, als er stürzte. Der Schwanz der Gestalt hatte sich um Mr.Smiths linkes Bein gewunden und ihn so zu Fall gebracht. Die Gestalt trat nun ganz langsam auf Mr.Smith zu. "Gleich werden dich meine Jungen fressen", sagte die Gestalt böse. "Eine Frage habe ich noch", sagte Mr.Smith. "Sprich", antwortete die Gestalt kalt. "Wie bist Du in die verschlossenen Wohnungen gekommen?" Die Gestalt sah Mr.Smith einen Moment lang an, dann antwortete sie:"Genauso, wie ich in den Körper von diesem Idioten gekommen bin.", sagte die Gestalt "Ich kann meine Größe und Form ändern. So konnte ich einfach durch das Schlüsselloch gehen. Zum Glück steckte nirgendwo ein Schlüssel." Die Gestalt stand nun direkt vor Mr.Smith. "Also wie manche Reptilien ihre Farbe verändern können?", fragte Mr.Smith. "Ja...so in etwa", sagte die Gestalt. "Danke", rief Mr.Smith "das wollte ich hören!" Er schoss auf die Rohre, direkt neben ihm waren. Gas trat aus. Die Gestalt verstand nicht, warum Mr.Smith das getan hatte. Mr.Smith nutzte die Unachtsamkeit der Gestalt und rappelte sich wieder auf. Nach wenigen Sekunden bemerkte die Gestalt, dass Mr.Smith wieder rannte und folgte ihm. Die Gestalt kam schnell näher. Mr.Smith hatte Probleme sich noch auf den Beinen zu halten, geschweige denn, noch zu rennen. Dennoch schaffte er es, die Kellertür zu erreichen. Als er sie passiert hatte blieb er stehen und drehte sich um. "Fahr zu Hölle, Arschloch!", sagte Mr.Smith, holte das Feuerzeug aus seiner Tasche und machte es an. Mr.Smith warf der Gestalt das Feuerzeug entgegen. Diese riss die Augen auf und schrie. Doch es half nichts mehr. Das Gas entzündete sich und die Gestalt ging in einem Feuer Inferno unter. Mr.Smith schaffte es noch gerade rechtzeitig, die massive Kellertür zu schließen. Der Markerschütternde Schrei erlischte und Mr.Smith setzte sich auf eine Stufe. Die Polizei würde gleich kommen und die Razia, für die Isabell und Mr.Smith Beweise sammeln sollten, durchführen. Bis dahin wäre er am liebsten verschwunden. Mr.Smith erhob sich schwerfällig. Seine Wunden bluteten zwar immer noch, doch das würde er schon stoppen können, so schlimm waren die Verletzungen nicht. Das redete sich Mr.Smith zumindest ein. Er kramte in seiner Tasche und holte den Zettel, mit der Adresse drauf, raus. Warum hatte Isabell eigentlich einen Zettel mit ihrer Adresse dabei? Mr.Smith wusste es nicht. Doch das war ihm im Moment auch egal. Er sicherte seine Beretta und steckte sie wieder ein. Danach schreifte er über seine Wunden, sodass Blut an seinen Fingern klebte und schrieb auf die Rückseite des Zettels "Mörder in Keller eliminiert. Kammerjäger benachrichtigen. Reptilienproblem in Wohnung von Officer Maxwell". Officer Maxwell war Isabell. Mr.Smith ging langsam zu der Haustür und öffnete sie. Er schloss die Tür hinter sich, als er inne hielt. Mr.Smith streifte sich noch einmal über die Wunden und ergänzte auf dem Zettel "Drogen auf dem Dachboden", dann klemmte er den Zettel in der Tür ein. Er war überrascht, dass es bereits hell war. Er sah auf eine nahe Digitaluhr. Es war bereits 7Uhr morgens. Eine junge Frau kam auf Mr.Smith zu. "was ist denn mit Ihnen passiert?", fragte die Frau. "Ich...ich habe mich mit jemandem geprügelt", sagte Mr.Smith und verdeckte, so gut er konnte, seine Wunden. "Bestimmt mit diesem Maxwell!", sagte die Frau "Ich konnte diesen Kerl noch nie leiden." "Mr.Maxwell?", fragte Mr.Smith. "Ja, der Bruder von dieser netten Isabell. Sie besucht ihren Bruder sehr oft, deswegen kenne ich sie." Mr.Smith verstand nun. Das war gar nicht Isabells Wohnung gewesen, sondern die, ihre Bruders. Deswegen hatte sie auch einen Zettel mit der Adresse mit: Damit sie wusste, wo sie um wieviel Uhr zu sein hatte. "Möchten Sie mit hochkommen?", fragte die Frau "Sie können bei meinem Vater einen Arzt rufen." Bei ihrem Vater? "Darf ich fragen, wie ihr Vater heißt?", fragte Mr.Smith. "Alfred Deep. Warum?" "Nein, danke.", sagte Mr.Smith. Ich gehe jetzt zu einem Arzt, die Verletzungen sind nicht so schlimm, dass ich nicht laufen könnte", sagte Mr.Smith freundlich. "Nagut", sagte die Frau "Aber sein Sie vorsichtig. Gute Besserung." "Danke", sagte Mr.Smith knapp und ging. "Die arme Frau wird in wenigen Minuten ein viel größeres Problem haben, als die Wunden eines Fremden.", dachte Mr.Smith und ging langsam davon. Diese Nacht würde er nie vergessen.
Susan Miller und ihre Familie trauten ihren Augen kaum. Vor ihnen stand ein großes, grünes Wesen in einer langen Kutte. "Los! Lauft!", rief Mr.Miller. Doch der Ausgang war versperrt. Es blieb nur noch der Keller. Und so rannte die Familie in den Kellerraum. Die Gestalt verfolgte sie. Sie hörten ihr tiefes Atmen und den regelmäßigen dumpfen Aufschlag. Nach einer Kurve sah die Familie ihren Privatkeller. Mrs Miller rannte zum Schloss und öffnete es hastig. Alle vier stürmten in den kleinen dunklen Raum. Als sie die Tür hinter sich schlossen, hörten sie die Gestalt vorbei gehen. Zwei Stunden lang harrten sie so aus, bis die Tür aufgerissen wurde und die Gestalt sie gefnden hatte. Alle vier stürmten an der Gestalt vorbei, doch Susan erlitt dabei eine tiefe Wunde, denn das Wesen versuchte, sie festzuhalten. Aber sie schaffte es, sich loszureisen und rannte mit dem Rest iher Familie weiter. Auf einmal hörte Susan die Schreie ihrer Eltern und kurz darauf den, ihres Bruders. Sie drehte blieb stehen und drehte sich um. Das Wesen hatte sie erwischt. Sie lagen alle auf dem Boden. Nur ihr Vater schien noch zu leben, denn er war der einzige, der sich noch bewegte. Mit letzter Kraft sah er auf und rief zu seiner Tochter "lauf!". Susan tat wie geheißen. Sie rannte an den tropfenden Heizungsrohren und den Privatkellern vorbei...

ENDE


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